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interview

WIE ILLEGALITÄT

Mark Frenzen is a fare dodger — what does he think about the head hunters who work for the public transport service of Berlin? By Isidor Grim

> FRENZEN: Sie werden es nicht glauben, aber es ist wie ein Vorgeschmack auf die Illegalität, du mußt immer auf der Hut sein. <

> Fahren Sie schon immer schwarz?
> FRENZEN: Seit die Berliner Verkehrsbetriebe die Preise unerträglich erhöht haben. Und seit sie irgendwelche Lumpenproletarier anheuert, um Leuten ohne Fahrkarte aufzulauern — fahre ich schwarz aus Überzeugung. <

> Meinen Sie nicht, daß die vielen Schwarzfahrer der BVG und der Stadt, also dem gemeinen Nutzen schaden?
> FRENZEN: Ist es Zufall, oder ist es das unausrottbare Preußentum, wie es General a.D. Schönbohm mit Law-and-Order zum 1. Mai (Innensenator Berlins 1996-98) oder Schily durch Kriminalisierung von Kleindelikten und Einwanderern wieder aufleben lassen, das die BVG beseelt? Den Schaden richten die an, die das Gemeinwohl als Ziel aufgegeben haben... oder meinen Sie, daß die Mittellosen, die jetzt kein Arbeitslosenticket mehr bekommen und sich die 2 Euro pro Fahrt zum Leben sparen, der Gemeinschaft schaden? <

> Ist es gefährlich, gefährlicher als früher, heute schwarz zu fahren?
> Für den, dem 40 Euro „erhöhtes Beförderungsentgelt“ dann zum Essen fehlen, zweifellos. Wiederholungs-„täter“ kriegen ja auch Strafen bis zu über 1000 Euro aufgebrummt, die sie dann mit sozialer Arbeit abstottern dürfen — wenn sie nicht in den Knast wandern! Aber es ist nur eine Frage der Geschicklichkeit. <

> Sie meinen, den Kontrolleuren zu entkommen?
> FRENZEN: Mir ist es bereits in Fleisch und Blut übergegangen. Beim Einsteigen vergewissere ich mich, einen sicheren Waggon zu betreten, bei der Einfahrt in die Stationen mustere ich alle Leute, die auf dem Bahnsteig stehen. Einen ungestempelten ohne Datum und mehrere abgestempelte Fahrscheine habe ich stets dabei, die Aufnahme der Personalien zögere ich immer bis zum letzten hinaus, nie gebe ich meinen Ausweis aus der Hand. Gelingt es nicht vorher auszuweichen, bietet sich die Gelegenheit zu entwischen fast immer, ich heuchle Kooperation und nutze ihre Unachtsamkeit. <

> Aber erkennt man sie denn, in Zivil?
> FRENZEN: Natürlich. Sie sind niemals allein, meist zu zweit oder dritt. Sie trennen sich auf dem Bahnsteig, steigen in verschiedenen Ausgängen ein, bleiben an den Türen, setzen sich nicht. Abgesehen von Ausnahmen sind sie geschmacklos gekleidet, Kennzeichen sind Gürteltaschen, diese farbigen Schlüsselbänder, an denen ihre Ausweise hängen, entscheidend aber ist ihr Gesichtsausdruck. Ich sagte ja, es ist fast wie Illegalität, man lernt Gesichter zu lesen. (...) Ein Kontrolleur blickt nicht wie ein normaler Fahrgast, er ist auf seine Arbeit konzentriert, mit Ausnahme des ein oder anderen Arbeitslosen, der die Schäbigkeit dieses Jobs begreift, wenn er ihn annimmt, habe ich nie ein anständiges Gesicht bei einem Kontrolleur in Zivil gesehen. <