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REVOLUTIONSGEIST

   | Isaac Risco. Die Revolte ist eigentlich eine persönliche Einstellung. Das sage zum Beispiel ich mir, wenn ich über die Studentenrevolte 1968 nachdenke, die für so großes Aufsehen sorgte und so manche Straßenschlacht inspirierte. Der Wandel, der Aufruhr, war eigentlich ein innerer, gegen die obsolet gewordenen Werte. Das trifft genauso auf die Dadaisten zu: es ging eigentlich ums Eingemachte, nämlich um die Überwindung von verkrusteten, nicht mehr nachvollziehbaren Strukturen und Denkweisen. Auch wenn sie oft nur Kauderwelsch aufs Papier brachten — der Auslöser ist stets eine innere Unzufriedenheit gewesen, ein unbändiger Wille zur Infragestellung des Hergekommenen. In einem Bilde gesprochen könnte es genauso die Verweigerung eines Kindes sein, den ungenießbaren Brei seiner Mutter widerstandslos weiter zu schlucken. Also beschloß ich neulich, ein Exempel zu statuieren und die üblichen Feierlichkeiten des wichtigen Datums dieses Jahres zu unterlassen. Ich mied jeden Kontakt mit Freunden, versperrte mich standhaft jeder möglichen Vorbereitung, wenn mich jemand daran erinnerte. Jede Revolte beginnt nämlich mit der persönlichen Einstellung, jeder großen Veränderung geht eigentlich der innere Wandel und der Mut zum Neuem voraus — er ist ein symbolischer Akt, der sinnbildliche Anschlag der revolutionären Thesen an eine Tafel. Also wurde in diesem Jahr die Feier kassiert, um der sinnlosen Tradition zu trotzen. Damit endlich Umbruchstimmung aufkommt und ein frischer Wind weht. Wenig bedeutsam ist dagegen die Tatsache, nota bene, daß das wichtige Datum mein Geburtstag war.