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BILDUNGSELITEN

The truth about the German higher education policy of today




   | Elvira Schläger (POTSDAM). Die Rauchschwaden zur subventionierten „Spitzenuni“ lassen Zweifel aufkommen, ob unsere überbezahlten Mandatsträger aus PISA, IGLU & Co. die richtigen Schlüsse gezogen haben. Der Bürger soll sich aber gar nicht mit den wirren Strukturen des nationalen Bildungssystems auseinandersetzen. Er konsumiert lediglich Informationen, die ihm direkt auf den Leib geschnitten sind. Wie im Fall der Umfrage des „Centrums für Hochschul-Entwicklung“ im Dezember 2003 zum Thema Studiengebühren. 59 Prozent der deutschen Studierenden, heißt es da, befürworten die Einführung von Studiengebühren. Die unveröffentlichte Fragestellung dazu aber war: was haltet ihr von diesem oder jenem Studienkontenmodell? Ein Studienkontenmodell setzt aber eingeführte Studiengebühren bereits voraus.
   Hat das damit zu tun, daß der Hauptsponsor des CHE, der Konzern Bertelsmann, seit Jahren das öffentliche Klima zugunsten von Privatunis zu beeinflussen sucht? Die 2002 im Campus Verlag unter dem Titel „Der Mythos von den Leistungseliten“ erscheinene Fallstudie von Michael Hartmann belegt empirisch, daß das Phänomen der „Elitenzirkulation“ in Deutschland wieder Realität ist. Laut der Untersuchung kommen auf jeden Abkömmling einer Arbeiterfamilie in einer Führungsposition großer Konzerne cirka 200 Kinder aus Familien leitender Angestellter. Während dem einfachen Volk versucht wird, mit horrenden Kitagebühren, Ganztagsschule und nächtlicher Ausgangssperre für Minderjährige wieder ein Gefühl für die wahre Bedeutung von Erziehung zu vermitteln, sagen die richtigen Leute den richtigen Leuten (z. B. Fr. Bulmahn), daß staatliche Mehrausgaben für Hochschulen nötig sind, allerdings für private oder halbstaatliche Elitehochschulen. Der eigene Sohn studiert schon noch in Yale, aber dem Sohn des Gärtners kann die Mittlere Reife genügen. Trotz rückläufiger Staatsausgaben im Bereich der Hochschulen um 15 Prozent seit 1980 (Stat. Bundesamt) ist Studieren weiterhin begehrt. Den aktuell steigenden Bewerber- und Studierendenzahlen begegnet man nicht mit der Einstellung von mehr Lehrpersonal, sondern durch Nummerus-Clausus-Quoten und Studiengebühren. Bis 2005 soll das Bachelor-Master-System auf alle Studiengänge ausgeweitet werden — fast alle Master sind kostenpflichtig, deshalb so schnell. Im Jahr 2006 entscheidet sich, welche fünf deutschen Hochschulen zu „Superhochschulen“ geadelt und über fünf Jahre mit 250 Millionen Euro gefördert werden. Was tut’s, wenn (laut der emnid-Umfrage im Januar für die Berliner Morgenpost) die meisten lieber keine Elitenunis sondern gut finanzierte staatliche Hochschulbildung wollen.