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MASSE IN DER KLASSE

Most educational institutions all over Europe are facing financial problems. As a matter of fact this has severe consequences for the economic situation of the affected countries. Every now and then, ministers and state officials come up with ideas to save the national future.

   | Karl-Heinz Kloppisch. Der Dezember des Jahres 2003 steht voll und ganz im Zeichen der Rettung des Bildungsstandorts Deutschland. Professoren und Studenten streiken und demonstrieren für bessere Lehr- und Lernbedingungen, Experten und Politiker tagen rund um die Uhr. Nach PISA, IGLU und OECD wurde nun die neue Studie „Bildung neu denken“ vorgestellt, in der sich Wissenschaftler mit der aktuellen demographischen Entwicklung und den notwendigen Konsequenzen bis ins Jahr 2020 beschäftigt haben.
   In 17 Jahren, so die Studie, werde beispielsweise die Gruppe der 50-Jährigen über ein Drittel der Erwerbsbevälkerung ausmachen. Dem müsse man verstärkt mit Weiterbildungs- und Umschulungsangeboten begegnen. Deutschland fehlen pro Jahr über 700.000 qualifizierte Arbeitskräfte, Akademiker und Forscher, die müssen international importiert werden.
   „Attraktivitätssteigerung“ ist die Läsung. Während die OECD-Studie in diesem Frühjahr der universitären Ausbildung in Deutschland (v.a. der Lehrerausbildung) immerhin die Note "ausreichend" gab, erklärte die neue Studie das deutsche Schulsystem glattweg als gescheitert. Что делать? — „Mindestens die Hälfte eines Abi-Jahrgangs“ muß ins Studium, nicht mehr nur jeder Dritte. Aber wie?
   Das deutsche Bildungssystem hat ausgedient, so viel steht fest. Nur mit Hilfe eines „nationalen Kraftaktes“ kann nun dem geistigen Verfall der Deutschen Nation ein Ende gesetzt werden. Und zwar mit einer ganz einfachen Rezeptur: Man nehme Einschulung ab vier und Schulpflicht bis 14. Man schaffe das Sitzenbleiben ab und reduziere die Ferien auf Urlaubslänge. Dann braucht man nur die Zeugnisse durch permanente Bewertungen zu ersetzen und die Dauer der Lehramtsausbildungen verkürzen. Was so einfach klingt und transparent ist, muß natürlich gut sein. Der SPD Generalsekretär Olaf Scholz beispielsweise würde am liebsten jedem Kind eine „pädagogisch begleitete Wissensvermittlung ab der frühkindlichen Erziehung“ bis zum Ende der Schulpflicht zu Gute kommen lassen. Mit Hilfe von Ganztagsschulen und Verhaltensnoten kann man ja nicht nur den Eltern eine enorme Last abnehmen, sondern endlich auch wieder aktiv an der Erziehung der jungen Deutschen teilhaben.
   Aber ob das genügt? Um die benätigte Prozentuale an jährlichen Abiturienten innerhalb von 15 Jahren von 33 auf 70 Prozent zu erhähen? Bei den bereits jetzt mehr als ausgelasteten Grund- und Oberschulen? Bei den z.B. in Berlin mit Überstunden überlasteten Lehrern und der halben Nachfolgegeneration, die arbeitslos draußen die Motivation verliert? Kein Problem, die Kosten für eine Neustrukturierung oder die Inbetriebnahme neuer Schulen müßten ohnehin durch das Büchergeld, erhähte Steuern, Lerngebühren oder die Privatisierung von Wissenschaftszweigen aufgefangen werden. Die Personenfärderung durch Stiftungen und Firmen, nach amerikanischem Modell, wird das zukünftige Bild der deutschen Bildungslandschaft prägen und dazu beitragen, daß durch „leistungsorientierte Selektion“ mit dem kleinsten Aufwand die gräßtmägliche Wirkung erzielt wird. Und was die Kinder angeht, wenn sie nicht spuren... Ich sehe im Rahmen der „Mobilisierung aller Bildungsreserven“ ohne ohnehin keine Alternative zur Wiedereinführung der Prügelstrafe, oder nennen wir’s vorschulische Wehrertüchtigung?