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GENUSSMENSCHEN UNTER SICH


Smoking brings movement into Berlin’s bars and restaurants — a little bit like always


   | Karl Eins (BERLIN). „Der Klügere gibt nach!“ lautet ein bewährtes deutsches Sprichwort. Nun, kaum einer würde einen Raucher für klug halten (ebensowenig wie a priori einen Nichtraucher). Auch nicht Vater Staat. Also versucht er mit sanften Methoden und Mutter Justizia im Gepäck, dem gesunden Menschenverstand ein wenig nachzuhelfen. Und siehe da, es funktioniert. Seit dem 1. Januar pünktlich zum Inkrafttreten der neuen Nichtraucherschutzgesetze wird im Großteil der ansässigen Schankhäuser und Restaurants bewußt eingeschränkt geraucht.
   Hatte man früher dem nicht rauchenden Tischnachbarn zuliebe den Platz wechseln müssen oder sich von der Zigarette getrennt, sitzt man nun auf Anordnung unter seinesgleichen. Hier ist man Raucher, hier darf man sein. Rauchen ist Luxus, das wissen auch die Nichtraucher und nicht zuletzt jeder Gastronom. Entsprechend gestaltungsfreudig zeigen letztere sich bei der kreativen Umsetzung der Gesetze. Wer nicht räumlich trennen kann, wie das RABU, hilft nach, etwa mit Hilfe lieb bittender, lustiger Aufsteller, wie im Joseph Heinrich. Gigantische Außenbereichascher für Horden von Tabakkonsumenten oder gar luxuriöse, irgendwie teuer wirkende Glascontaineranbauten à la Kino Union locken den Raucher. Der Konsum wird gefeiert wie nie.
   Ohne Umschweife positionieren sich auch die Raucher entsprechend, zeigen sich emanzipiert, gestärkt, verstanden. Die Probezeit bis Juli braucht von ihnen keiner. Die ist wohl eher für die Gastronomen notwendig. Während die Kippe qualmt wie eh und je, ob vor der Tür oder im Reservée, starren diese gebannt auf den Tagesumsatz. Letztlich sind sie es, die zahlen werden. Das haben schon die Erfahrungen aus dem Ausland gezeigt. Ob mit Einnahmeeinbußen, zusätzlichen Kosten für die Endreinigung des Gehwegs oder Strafen für verfehltes Umsetzen, das spielt keine Rolle. Vielen droht nicht das Siechtum eines schleichenden, selbst auferlegten Todes auf Raten, sondern das unmittelbare Aus.
   Aber auch hier kann man auf die Raucher zählen. Verständnisvoll und stammtischtreu wird bedingungslos kapituliert. In Ungnade beim allabendlichen Wohlspender zu fallen, scheint ein wirksameres Mittel als das Schafott, welches im Lüneburg des Dreißigjährigen Krieges noch im Dienste des Nichtraucherschutzes stand. Längere Wartezeiten und kurze Raucherpausen würde man als einfühlsamer verständnisvoller Genußmensch dem Personal ohne Frage zugestehen. „Schließlich sind wir doch alle nur Raucher.“
   Und so führt die helfende Hand der Obrigkeit und das kluge Nachgeben der Raucher zu einer Evolution der Schankkultur. Die düstere, verrauchte Eckkneipe mit den hustenden Stammtischphilosophen ist einer glasklaren Lifestyleeinrichtung gewichen. Eine Mutation, die ihren Bestand zwar erst noch beweisen muß, für mich als aktiven Genußmenschen allerdings ganz klar ihre Vorteile hat. Endlich wird Luxus wieder geschätzt, Schluß mit dem Verstecken. (Über Pelzmäntel reden wir ein anderes Mal!)