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SCHÖNE NEUE HOCHSCHULWELT Students all over France protest against the higher education reform of Sarkozys government ![]() Foto: Sara Angioni, Aix-en-Provence | Tobias Quast (BERLIN). Heimlich still und leise hatten Sarko & Co. bereits im Sommer mit ihrem Loi relative aux libertés et responsabilité des universités dem Ausverkauf der französischen Hochschullandschaft Tür und Tor geöffnet. Im Eilverfahren vorbei an der studentischen Öffentlichkeit wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Weg zu einer kompletten Ökonomisierung der Universitäten ebnet. In der Schönen Neuen Hochschulwelt von Monsieur Sarkozy und seiner Bildungsministerin Valérie Pécresse werden Unipräsidenten zu Konzernmanagern, die bei der Wirtschaft um die Finanzierung von Seminaren und Forschungsvorhaben werben, ineffiziente Dozenten zügig entlassen und durch die Anhebung von Einschreibegebühren sowie durch ausgefeilte Bewerbungsverfahren auch in der Studierendenschaft schon früh die Spreu vom Weizen trennen. Anderthalb Jahrzehnte nach dem Untergang des real existierenden Sozialismus in Europa ein weiterer Sieg des Kapitalismus über eine der letzten Bastionen der Ewiggestrigen, über jene, die immer noch nicht begreifen wollen, daß alleine Effizienz, Wettbewerb und Konkurrenz wirkliche Freiheit bedeuten! Unabhängigkeit der Wissenschaft, Forschung allein zum Wissens- und nicht zum Kapitalgewinn, Mitspracherechte von Lehrpersonal und Studierenden? Alles Firlefanz! Wo die Kräfte des freien Marktes walten, kann auf derlei Spitzfindigkeiten keine Rücksicht genommen werden. Schließlich befinden wir uns in einem knallharten globalen Wettkampf um die besten Köpfe! Elitenbildung für unsere Unternehmen ist da angesagt! Wer das noch immer nicht kapiert hat, bei dem müssen dann wohl Schlagstock und Hochdruckreiniger nachhelfen! Und ganz in Sarko-Rambo-Manier geschieht dies auch: Mit massivem Polizeieinsatz sorgt die starke Hand des Staates für die Freiheit der Hochschulen und geht gegen Streiks und Gebäudeblockaden an etwa dreißig Universitäten der Grande Nation vor. Denn mit Beginn des neuen Semesters und vom allgemeinen Streikfieber der Lokführer, Lehrer etc. angesteckt, regt sich nun seit einigen Wochen der Widerstand der Studenten gegen das neue Hochschulgesetz. Ihr Kampf ist nicht nur eine Verteidigung einer der letzten Bastionen vor einer umfassenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche, sondern zugleich gelebte Demokratie gegen die Basta-Politik der französischen Regierung. Und das mit nicht geringen Erfolgsaussichten, hatte doch bereits die Abschaffung des Kündigungsschutzes für unter 26-Jährige im Frühjahr 2006 nach landesweiten Protesten der Studentenschaft letztlich nicht durchgesetzt werden können. Und so bleibt zu hoffen, daß die lautstarke Protest- und Streitkultur einer lebendigen französischen Demokratie dem kapitalistischen Expansionstreben auch diesmal Einhalt zu gebieten vermag. | more W|O articles about the present protests in France: Under Attack Iperpresidenzialismo Il resto è fascismo UNEF |