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YOU HAVE TO GO DOWN TO GO UP A visitor of the Atomium can experience enlightening historical and philosophical moments ![]() | Roland Gratzer (WIEN). Laeken am Morgen. Kaum Chancen, im nördlichen Teil von Brüssel ein Café zu finden. Die wenigen, die es gibt, sind geschlossen. Architektonisch bedenkdenkliche Bauten, die langsam aber stetig verfallen. Der verblaßte Charme einer alten Zeit. Wenige Menschen, nicht mal Touristen. Dabei wurde auf diesem Gelände vor fast 50 Jahren der Aufbruch in die Moderne zelebriert. Weltausstellung 1958. Daß technische Entwicklung nicht nur Vorteile für die gutgläubige Menschheit bringt, dürfte selbst damals schon bekannt gewesen sein, die Opfer von Hiroshima und Nagasaki ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Aber mit kritischem Hinterfragen wollte man sich auf der Expo 58 nicht aufhalten. Die Nationen haben sich verabredet, in Brüssel ein lächelndes Gesicht zu zeigen, die Atombombe zu verstecken und so zu tun, als würden sie das Wort Rüstung überhaupt noch nie gehört haben, schrieb damals die deutsche Kulturzeitschrift Magnum. Technologie bedeutet Glückseligkeit. Da mußte natürlich ein Symbol her. 2400 Tonnen Stahl wurden zu Kugeln und Röhren geformt, um die 165-milliardenfache Vergrößerung eines Eisenkristalls darzustellen. Brüssel hatte endlich ein postkarten- und T-Shirt-taugliches Wahrzeichen: Das Atomium. Ohne große Probleme gelangen mein polnischer Kollege und ich in die mittlere Kugel. Wir halten uns nicht sonderlich lange in den verschiedenen Eisenbällen auf. Hier ein paar Fotos, dort die undefinierbare Klang- und Plastikinstallation eines italienischen Künstlers. Plötzlich eine Bar. Wir fragen den Kellner, wie wir denn nun endlich in die Aussichtskugel an der Spitze des Kristalls kommen würden. You have to go down to go up. Ein zugegeben höchst philosophischer Ansatz. Muß man nicht zuerst die eigenen Abgründe kennen, um zu ungekannten Höhen zu gelangen? ![]() Roland & Przemek at the Atomium (Claudio at the camera) Diesmal müssen wir die normalen Treppen nehmen, unten angelangt, warten wir auf den Lift, um ganz nach oben zu kommen. Einige Sekunden Luftdruckvariation später erreichen wir die Aussichtsplattform. Im Themenpark Mini-Europa blickt man auf Miniaturversionen europäischer Wahrzeichen. Im ehemaligen Heysel-Stadion starben 1985 39 Menschen bei einem UEFA-Cup-Finale zwischen Juventus und Liverpool. Kultur, Politik, Wissenschaft und Philosophie. Das nördliche Brüssel, ein touristisch wahrlich höchst komplexes Erlebnis. | Website of the Atomium |