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PUSH AND PULL


Marketing as a guideline of Higher Education and research — a brand new era in Germany’s universities has begun


   | Jörg Rostek (MÜNSTER). Wenn’s um Profilbildung im Wettbewerb geht und den damit verbundenen Gerangel um Drittmittel, ist Schluß mit lustig. Deshalb tönte es diesen Monat auf einer Tagung des Bertelsmann-Thinktanks „Centrum für Hochschulentwicklung“ (CHE) in Münster: „Forschungsmarketing ist Chefsache!“
   Hochschulmarketing ist, sekundierte H. Meffert vom Marketing Centrum Münster, „die bewußt marktorientierte Führung der gesamten Hochschule“. Und wenn es nach dem neoliberalen CHE ginge, sollten sich „sämtliche Hochschulangehörige“ damit auch noch „identifizieren“.


„Sämtliche Hochschulangehörigen
sollten sich damit identifizieren“



   Gesagt, getan. So erregte die Präsidentin der Uni Hamburg, Monika Auweter-Kurtz, kürzlich Aufsehen, indem sie ihren Profs aus Marketinggründen verbot, sich ohne die Zustimmung der Pressestelle zu äußern. Halb so schlimm, auch wenn sogar die Wächterin des Bildungsstandorts Deutschland, die FAZ, dies als einen „Maulkorb für Professoren“ (10. 5. 2007) rügte.
   Die Hochschulen sollen also nun Partner und Sponsoren suchen. Nur, wie weit greifen die vertraglichen Regelungen für gemeinsame Forschungsprojekte in die Unabhängigkeit der universitären Einrichtungen ein? Das ist besonders problematisch, wenn mächtige Interessenverbände an den Universitäten sogenannte „An-Institute“ allein oder maßgeblich finanzieren. Prof. Dr. Baaken vom Institut für Science Marketing der Fachhochschule Münster sieht das so: „Wenn man für eine Sache Geld erwartet, befindet man sich auf einem Markt! Marketing für Forschung adressiert aus unserer Sicht nicht die Öffentlichkeit, sondern Kunden, und ist nicht in erster Linie Kommunikation, sondern will die Bedürfnisse des Kunden, seine Erwartungen und den Kundennutzen in den Mittelpunkt des Denkens stellen.“ Seine Argumentation ist einfach: Der Staat wird sich aus der Forschungsfinanzierung zurückziehen, neue Nachfrager werden an seine Stelle treten, die Unternehmen. Deshalb fordert er, schon früh auf die Unternehmen zuzugehen. „Nicht erst entwickeln, dann verkaufen! Einbindung des Marktes in frühen Phasen“ müsse das Ziel sein.
   Dieses Ziel müsse dementsprechend durchgesetzt werden. Im Rahmen seiner Präsentation bewarb Hr. Baaken auch das sogenannte „Push and Pull“-System. Es soll dafür sorgen, daß Wissenschafler die Forschungsergebnisse hervorbringen, die der Markt, also die Unternehmen, von ihnen verlangt. Dazu, so Baaken, könnten Mittelkürzungen eingesetzt werden, die umso effektiver seien, weil die Forscher nun auch ihre Räume mieten müßten und so dazu gezwungen wären, die Marketingstrategie der Hochschule mitzutragen. Letztlich müsse man den „Transfer in Berufungsverfahren verankern“.
   Wenn das die Profs wüßten!
   Noch regt sich nur vereinzelt Widerstand. Und das, obwohl die mittlerweile nicht mehr schleichende Kommerzialisierung der Hochschulen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit und dadurch auch die Freiheit der Wissenschaft gravierend beschneidet. Die Professoren sollten reden und zwar laut, solange sie es noch können und der Maulkorb sich noch nicht geschlossen hat.

| Anm. d. Red.: So neu ist das alles nicht, siehe unseren Artikel von 2001: Unis in Konkurrenz