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| FREIRAUMSTERBEN Public places in Berlin are no longer public or: No space for democracy ![]() Vorm Roten Rathaus in Berlin ist man bereit. Foto: Sanatanas | Henning Rogge (BERLIN). Berlin ist eine Metropole, eine Haupstadt eben. Mit breiten Straßen, großen Plätzen kurz eine Stadt, die zum Marschieren einlädt. Und hier wird gerne marschiert, ob von rechts oder von links, von Osten nach Westen, umgekehrt, dafür, dagegen. Platz zum Marschieren ist immer noch viel. Aber wieviel Sinn macht das Marschieren ohne abschließende Kundgebung? Selbstverständlich gibt es in Berlin tolle Plätze, um Menschenmassen über seine Anliegen zu informieren. Aber geht hier vor?! Von Mitte ausgehend bricht ein Freiraumsterben aus. Der leere Platz, der noch gestern zur Inbesitznahme einlud, er lädt nun aus. Der Berliner Bär schüttelt sich von innen her, um die Zecken aus seinem Pelz zu schleudern: Alexanderplatz Versammlungsverbot wegen Gefährdung der Demonstranten durch Straßenbahn und Schienen. Der Platz vorm Roten Rathaus geschlossen zum Schutze der Regierenden irgendetwas findet man immer, um die Bannmeile zu errichten. Der Schloßplatz momentan noch Gefährdung durch Bauarbeiten, bald geschützte Grünanlage. Auf dem Bebelplatz herrscht Versammlungsverbot wegen Einsturzgefahr durch das darunter liegende Mahnmal der Bücherverbrennung. Der Pariser Platz rund um das Brandenburger Tor zählt zum Sicherheitsbereich diverser Botschaften und des Reichstags. Der Potsdamer Platz ist Privateigentum geworden (Zong!). Es ist wie ein Virus. Doch zum Glück gibt es ja noch den Ernst-Reuter-Platz aber ist der nicht irgendwie gefährlich nah am Schloß Bellevue? Ach ja, die West-City: Kudamm usw.. Da macht es Sinn, seine politischen Reden zu halten, denn dort hört niemand zu. Es ist eben die Nähe zur Macht, die Berlin und seine Demonstrationen so interessant macht. Und es ist eben dieses Berlin, das seine Plätze vor allzu aufdringlichen Bürgern schützt. Städtebaulich geht der Platz als solcher auf die griechische Agora zurück, dem Platz auf dem Politik gemacht auf dem die Demokratie geboren wurde. Auf dem Bebelplatz kann man im Winter Schlittschuh laufen aber nicht seine Meinung sagen. Der Alexanderplatz mit seiner postfaschistischen Architektur dient nur noch für den Bratwurstverkauf und gelegentliche Volksfeste bloß kein Pappschild hochhalten! Vor dem Roten Rathaus kann man manchmal noch seine Meinung sagen: wenn gerade niemand Wichtiges da ist. Am Pariser Platz, vor dem neuen Nationalheiligtum Adlon, gleich neben diesem komischen Tor, kann man Fotos machen und Souvenirs kaufen. Berlins Plätze dürfen zum Konsum genutzt werden aber nicht dazu, von seinen Bürgerrechten Gebrauch zu machen. Es sind leere Plätze, die künstlich gefüllt sind und nicht mit denen, denen sie doch eigentlich gehören. |