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PROPER PROPAGANDA


Who thinks what someone thinks ought to be very careful: It’s nearly terrorism!



It’s a short way from Rush Limbaugh and U.S. war propaganda
to the German ‘War on Terror’ in Stefan Aust’s “Spiegel” (Collage: WoBo)



   | Ernesto Castillo (NAPOLI). Nein, wir wollen nicht vom Terrorismus sprechen. Das besorgen mehr als zur Genüge andere an berufenerem Platze wie Dick Cheney, der immer noch von Terrorzellen der Al Kaida im Irak als Gast beim Schwert Gottes und Amerikas Rush Limbough faselt, während am selben Tag der Abschlußbericht der Untersuchungskommission des Amerikanischen Senats das Gegenteil belegt.
   Wir wollen lieber von einem „unserer“ seltsamen europäischen Zufälle sprechen, wo zeitgleich in Deutschland und Italien eine Debatte über die Exterroristen der RAF und der Brigate Rosse vom Zaun gebrochen wird, ganz im Sinne der pluralistischen Debattenkultur: Gibt es keine — Wir machen eine!
   Aber geht es hier überhaupt um Terrorismus, um die Tat an sich? — Wohl kaum. Es geht um den Gedanken dahinter. In dreieiniger Scheinheiligkeit aus Medien, Politik und psychiatrischen Gutachten wird „überrascht“ festgestellt, daß diese „Exterroristen“ immer noch den Kapitalismus kritisieren. Das sind, z. B. laut Spiegel, schon „wirklich gefährliche Sätze“, ja fast schon Bomben, ist man geneigt, hinzuzufügen. Also, cui bono — wem nützt diese Debatte?
   Zuallererst wohl der Erkenntnis, daß, was böse ist, zusammengehört. Und wie beim kleinen Einmaleins der Verblödung schon mal zwei rauskommt, ist der Umkehrschluß nicht verwunderlich, daß folglich schon ein Terrorist ist, wer dieselben Ansichten wie einer äußert. Wer sein politisches wie geschichtliches Bewußtsein aus derlei billigen, schon lange nicht mehr nur amerikanischen Filmen und noch billigeren Nachrichten bezieht, kurz, bis zum Steißbein voll von lebenslänglicher proprer Propaganda ist, für den mag es wohl am Ende aller „Debatten“ ein Akt der Meinungsfreiheit sein, sich selber das Denken zu verbieten.