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NATÜRLICH AUSGEBEUTET


The exploitation of foreign labour is an everyday routine in Germany. A Moroccan student’s case


   | Schirin Khalik (FRANKFURT/MAIN). „Natürlich weiß ich, daß ich hier ausgebeutet werde, aber was soll ich denn machen, ich habe keine andere Möglichkeit.“
   Samira ist 21. Sie stammt aus Marokko und lebt als Asylantin in Deutschland. Nach der Auflösung ihrer Zwangsheirat ist sie auf sich alleine gestellt. Sie geht zur Abendschule und möchte danach studieren. Doch das Geld, das sie bekommt, ist zu wenig, darum arbeitet Samira schwarz als Bedienung in einer Pizzeria. Zwölf Euro bekommt sie am Tag. Und wehe, ihr Chef ist launisch, oder sie läßt etwas fallen, dann kann es schon mal passieren, daß er ihr Geld einfach einbehält. „Ich kann nichts tun, ich habe ja keinen Vertrag“, sagt sie. Samira weiß, daß sich an ihrem jetzigen Leben auch während des Studiums nicht viel ändern wird und eventuell sogar noch weitere Probleme auf sie zukommen.
   Viele der ausländischen Studenten haben nicht nur finanzielle Sorgen, sondern auch Probleme mit der Sprache und der sozialen Anbindung. Vielen fällt die Integration schwer. Sie vermissen ihre Heimat und fühlen sich als Außenseiter. Zudem ist es oft nicht leicht, überhaupt eine Arbeit zu finden, gerade wenn sie noch Probleme mit der deutschen Sprache haben. Das Risiko schlecht behandelt oder unter Lohn bezahlt zu werden, ist groß.
   Ein weiteres Problem, das sich besonders Studenten aus arabischen Ländern stellt, ist das wachsende Mißtrauen von Regierungsseite. So forderte der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CDU) eine erhöhte Aufmerksamkeit an deutschen Universitäten, um Radikalisierungen vorzubeugen. Eine Überwachung der ausländischen Studenten also.
   Schon 1972 nach dem Anschlag im Münchner Olympiastadion befanden sich arabische Studenten in einer Situation, die den Extremfall von Studentenüberwachung bedeutete. Durchsuchungen von Wohnheimen und wahllose Abschiebungen waren damals die Folgen. Viele versteckten sich bei Freunden oder auf dem Land. Die blinde Angst vor Terror beherrschte das Land. Eine Erinnerung, die vielen ausländischen Studenten der damaligen Zeit heute bei den Maßnahmen des Verfassungsschutzes wieder ins Gedächtnis kommt.
   Trotzdem sind die meisten, gerade wenn sie aus den Entwicklungsländern kommen, dankbar, in Deutschland studieren zu können, um eine gute Ausbildung zu erhalten und obwohl die Perspektiven für später oft unklar sind.
   Samira dagegen hat eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft. Sie will studieren und danach als Lehrerin in Deutschland arbeiten. Nach Marokko will sie nicht mehr zurück. „Deutschland ist jetzt meine Heimat. Auch wenn ich es hier schwer habe, in Marokko war es nicht einfacher.“