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DER REST IST UNTERSCHICHT

The so-calles “Exzellenzinitiative” tries ti help German universities in the international competition (so they say). And leaves the humanities out...


   | Jörg Rostek (MÜNSTER). „Im Wettstreit um die besten Wissenschaftler müssen wir uns mit dem Massachusetts Institute of Technology und der Stanford University messen, mittlerweile auch mit Singapur und einigen Universitäten in China“, bibbert Konrad Osterwalder, Rektor der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Der ETH Zürich etwa stehen 52.000 Euro pro Studierendem zur Verfügung, der TU München bekommt 15.000, der TU Darmstadt gerade einmal 10.000 Euro. Im globalen Vergleich sieht es noch düsterer aus.
   Eine vermeintliche Lösung schien die sogenannte Exzellenzinitiative. Sie geht zurück auf eine Vereinbarung der Bund-Länder-Kommission vom 23. Juni 2005. Drei Förderlinien wurden ausgeschrieben: Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Doktoranden), Exzellenzcluster für international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungsprojekte sowie „Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung“.
   Von 36 Universitäten schafften es gerade drei Bewerber, den diesjährigen Bewilligungsausschuß zu überzeugen. Und so wurde Mitte Oktober die deutsche Hochschullandschaft gespalten — zur Elite zählen nunmehr die Uni und die TU München sowie die TH Karlsruhe. In Ostdeutschland steht keine einzige Eliteuni. Der Rest ist Unterschicht.
   Daß Wissenschaftler stimmberechtigter sind als Landespolitiker, ist mehreren Volksvertretern unliebsam aufgestoßen. Es ist kein Geheimnis, daß die Minister es gerne gesehen hätten, wenn bei der Verteilung der Mittel für die Forschung auch „sachfremde“ Gesichtspunkte berücksichtigt worden wären. Da Erfolg auch Stimmen bringe, hätten sie mit der Exzellenzinitiative zu Hause prima Wahlkampf machen können. Durch die hohe Gewichtung der Wissenschaftler war ihnen das verwehrt.
   Einen Blick hinter die Kulissen der Exzellenzinitiative hat der Politikwissenschaftler Michael Zürn, selbst Mitglied der Auswahlkommission. Er ist vor allem enttäuscht von der schlechten Bewertung der Geistes- und Sozialwissenschaften. Von 18 Graduiertenschulen kommen nur erbärmliche vier aus den Geistes-, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften. Bei den Clustern bestand nur ein einziges. Für Michael Zürn sind die Geistesund Sozialwissenschaften bei der Exzellenzinitiative strukturell benachteiligt. „Man kann doch wirklich nicht behaupten, daß die Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland fünfmal weiter von der Weltspitze entfernt sind als andere Disziplinen“, sagte er der Süddeutschen Zeitung und: „Wenn sich ein Geistes- oder Sozialwissenschaftler für einen Antrag einsetzt, geschieht dies selten in der gleichen Bedingungslosigkeit wie bei den Naturwissenschaften oder Ingenieuren. Es gibt immer dieses ,Ja, aber...‘.“ Auch war die Auswahlkommission im Exzellenzwettbewerb von Naturwissenschaftlern dominiert. Ob das kommende „Jahr der Geisteswissenschaften“ diese Mängel ausgleichen wird, steht in den Sternen.
   Welche Konsequenzen langfristig durch die Exzellenzinitiative verursacht werden, bleibt ebenfalls abzuwarten. Wer kann wollen, daß es eines Tages nur noch eine handvoll konkurrenzfähiger Hochschulen gibt? Diese und andere Fragen blieben bisher unbeantwortet. Die Verlierer der ersten Runde werden sich in der zweiten erneut bewerben. Dann könnten weitere sieben Hochschulen sogenannte „Elite“ werden.

| Bundesministerium für Bildung und Forschung | Wissenschaftsrat