|
bookshells ALBRIGHTIE, THE ALLRIGHTIE A critical analysis of Gods own government from a rational point of view ![]() Quelle: www.theodoresworld.net | Katharina Gerhardt (HAMBURG). Fünf Jahre nach 9/11 meldet sich mit Madeleine Albright, Außenministerin unter Clinton, eine Stimme des nachdenklichen und liberalen Amerika zu Wort. In ihrem neuen Buch analysiert und kritisiert sie mit bemerkenswerter gedanklicher Schärfe die Außenpolitik George W. Bushs. Madeleine Albright ist leidenschaftliche Amerikanerin. 1937 als Tochter eines tschechischen Diplomaten in Prag geboren und katholisch erzogen, kam sie im Alter von zehn in die USA, wo sie es bis zur Universitätsprofessorin, UN-Botschafterin und ersten weiblichen Außenministerin des Landes brachte. Sie kennt Unfreiheit, weiß Freiheit zu schätzen und bezeichnet die Demokratie als eine der besten Erfindungen der Menschheit. Zwar schreibt sie verblüffend offen, daß sie ihren Studenten beibringt, amerikanische Außenpolitik bedeute, andere Länder dazu zu bringen, das zu tun, was die USA wollen. Aber dazu müsse man eben seine Kunden kennen, was für Albright nach dem 11. 9. 2001 vor allem heißt, über deren Religion Bescheid zu wissen. Albright selbst ist in einer diplomatischen Schule groß geworden, in der man sich bemühte, heikle Themen wie Religion zu meiden. Doch da im 21. Jahrhundert Menschen wieder bereit seien, für ihre religiöse Überzeugung zu töten, benötige der amerikanische Außenminister, so Albright, eben auch einen Expertenstab für Religion. Albright glaubt an eine Führungsverantwortung der USA, wendet sich aber entschieden gegen das Sendungsbewußtsein Bushs und kritisiert dessen missionarischen Ton. So kontert sie Bushs Aussage, die USA hätten die Pflicht, die Welt vom Übel zu befreien, mit der schlichten Feststellung, daß das für Sterbliche eine unmögliche Aufgabe sei. Und wenn Bush sagt, die Freiheit sei ein Geschenk an alle Menschen, fragt Albright mit feiner Ironie, ob Bush wirklich meine, Gott habe Amerika dazu bestimmt, dieses Geschenk auch zu überreichen. Albright hält es für falsch, Außenpolitik und Religion zu vermischen und pocht auf die in der amerikanischen Verfassung garantierte strikte Trennung von Staat und Religion. Sie bezeichnet die Entscheidung für den Irakkrieg als Fehler, obwohl sie zugibt, zunächst selbst den Fehlinformationen des amerikanischen Geheimdiensts Glauben geschenkt zu haben und eine Befürworterin des Krieges gewesen zu sein. Albright ist keine Linksintellektuelle, aber wenn jemand aus dem inner circle der amerikanischen Politik den EU-Beitritt der Türkei propagiert, die geringen Ausgaben der USA für Entwicklungshilfe kritisiert und für einen konstruktiven Dialog der Kulturen und Religionen eintritt, so ist das, wie Exdiplomat und Albrightfreund Joschka F. sagen würde, schon überaus begrüßenswert. Madeleine K. Albright (mit Bill Woodward):Der Mächtige und der Allmächtige. Gott, Amerika und die Weltpolitik. Droemer 2006 |