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JOURNALISTEN VON MORGEN?

Highly praised and deeply disappointing: advanced vocational traning...


   | Franca Tedeschi (BERLIN). Anmeldung erfolgreich. Das lacht das Herz. Vor allem, wenn es sich um einen Kurs handelt, der dem perspektivlosen Studenten eine blühende berufliche Zukunft verspricht: Das Seminar „Journalistisches Arbeiten“ am Career Center der Humboldt-Universität zu Berlin, vollmundig als „Blended-Learning“-Kompaktkurs gepriesen, „ist so angelegt, daß den Studierenden der unterschiedlichsten Fachrichtungen ein Überblick über die weiten Felder journalistischen Arbeitens geboten wird“.



   Wow, denkt man, da kann man noch was lernen, anstatt sich wie sonst einzubilden, einfach in die Tastatur zu kloppen sei irgendwie auch schon journalistisches Arbeiten. Außerdem sollen „sehr praxisorientiert wichtige Darstellungsformen vermittelt und geübt“ werden, insbesondere im Print- und TV-Bereich, und: „Es gibt zwei Exkursionen, die einerseits der beru. ichen Orientierung dienen, andererseits ein Teil der zu bewältigenden Kursaufgaben sind“. Quasi Spannung, Spiel und Schokolade für die gramgebeugte und mediengeile Generation Praktikum, die jede noch so winzige Chance zur Fort- und Weiterbildung ergreift und anstelle des Papstes nur noch die Lebenslaufoptimierung anbetet. Der Kurs biete sogar noch zehn Stunden Online-Kurszeit mit dem Lernmanagementsystem Moodle, hieß es, um Aufgaben durch die Arbeit in Workgroups und mit Chats zu erfüllen!
   Nur in der Praxis haperte es dann gewaltig. Der Referent (ein überforderter Wetterfrosch, Verzeihung, Diplommeteorologe) schien das Ganze eher als Prestige- und Einkommensgewinn zu betrachten als einen akademischen Kurs, bei dem er — Gott bewahre — den Studierenden noch was hätte beibringen können. Die Hausaufgaben bewegten sich im Bereich des Analysierens von BUNTE-Artikeln, und die Bedienung des gepriesenen Moodle-Systems, eine eigentlich sinnvolle Plattform, erschöpfte sich im Hochladen von Bewerbungsfotos. Auch die Exkursion zu einem regionalen TV-Sender bewegte sich eher auf Kleinkind-Niveau mit dem Tenor: „Da könnt Ihr mal ein FERNSEHSTUDIO von innen sehen!“
   Ich hätte es wissen sollen. Stand doch im PR-Text des Career Centers ganz unten im Kleingedruckten: „Bachelor-Studierende erhalten für den erfolgreichen Abschluß ihrer Hausarbeiten 4 Studienpunkte.“ Ach so. Das war ein Pflichttermin für das Bachelor-Studium! Okay. Wir haben verstanden.

| Career Center der Humboldt-Universität