|
GEFÄHRLICHKEIT DES SEINS European Master of Science sounds good, doesnt it? But, as often, its just window-dressing... | Franz Hellbaum (FRANKFURT/M.). Alles fing mit einer Programmbeschreibung an, die mich, gelinde gesagt, von den Socken riß: EurOptics European Master of Science in Optics for the Information Society in nur 14 Monaten! Super Inhalte, genialer Ablauf, durchgeführt von der Crème de la crème europäischer Lektoren und Professoren. Zwölf der heißesten Themengebiete, konzentriert auf drei Schwerpunkte, umfaßt das Programm EurOptics. Beteiligte Hochschulen sind die EGIM in Marseille, die TU Berlin und das Politecnico di Milano. Zum Abschluß eine Masterarbeit in der Industrie oder in einem wissenschaftlichen Institut über einen Zeitraum von vier Monaten. Die perfekte Ergänzung zum Studium der Technischen Nachrichten- und Informationstechnik. Mehr noch, eine Zusatzqualifikation, die einem nach den aktuellen Entwicklungen auf diesem Gebiet die besten Chancen eröffnet. Doch ich wurde skeptisch. Eine Suche nach aktuellen Masterstudiengängen in Deutschland ergab zu Beginn diesen Jahres bereits über 1300 Treffer. Wo kamen die alle plötzlich her? Und wie konnte es sein, daß EurOptics sich bereits so gut organisiert und durchdacht präsentierte? Um diese Fragen zu klären, machte ich mich kurzerhand auf den Weg nach Berlin zum wissenschaftlichen Koordinator der TU. Und ich verabredete mich mit einem Studenten des aktuellen Durchgangs. Das Ergebnis: Da das Programm sehr neu sei, gab man mir die Gewähr, daß es auch bei einer nur geringen Teilnehmerzahl stattfinden würde. Man könne, und das leuchtete ein, sich keine Unterbrechung in den ersten Jahren erlauben, um den Erfolg des Studienganges auch in den folgenden Jahren zu sichern. Der laufende Durchgang war denn auch nur mit nur 4 von maximal 25 Teilnehmern belegt. Die zweite wichtige (und entscheidende) Aussage war, daß allein der große Einfluß der beteiligten Professoren in der Wissenschaft und Industrie beruflichen Erfolg verspräche. ![]() Logos create trust... Nun gab es keinen Zweifel mehr: Das war mein Programm ab Oktober 2006. Dabei störten auch nicht mehr unschöne Details wie die Kursgebühr von 900 Euro und daß der Studiengang gar nicht akkreditiert war. Wozu braucht man auch eine offizielle Anerkennung, wenn man das Diplom bereits in der Tasche hat und beim Master im Grunde Inhalte und die kurze Dauer zählen? Ich suchte also den Kontakt in Frankreich zur Koordinierungsstelle des EurOptics-Programms, und bewarb mich im März 2006. Mit der Eingangsbestätigung und dem Versprechen Nous vous tiendrons bien évidemment au courant pour la suite kam dann der erste große Dämpfer: Die Dauer des Programms wurde auf vier Semester erhöht, ohne daß es jedoch im gleich Atemzug akkreditiert worden wäre. Auch die Kosten stiegen auf 3000 Euro. Nach einer erneuten Anfrage meinerseits erhielt ich schließlich die kurze und knappe Absage aus Frankreich mit der Begründung, man müsse sich umorganisieren. Man würde sich aber auf meine erneute Bewerbung in 2007 freuen! Was bleibt: Umsonst über ein halbes Jahr der Bewerbung, umsonst Zeit, Geduld und teures Porto, umsonst eine Fahrt nach Berlin und das persönliche Aufsuchen von Herrn Dr. Heinar Schmidt von der TU Berlin, umsonst die Kontaktaufnahme mit den Studierenden, umsonst stundenlange Telefonate mit potentiellen Stipendiengebern, umsonst monatelanges Jobben und Sparen und umsonst mein energischer E-Mail-Wechsel mit Prof. François Flory, dem zweiten Direktor der EGIM in Marseille, um meine Bewerbungsbemühungen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Alles für die Katz. Im Zusammenhang mit meiner Bewerbung für dieses Programm tat sich noch eine weitere Erfahrung auf. Es geht dabei um die Vergabe von Stipendien. Der größte Stipendiengeber in Europa ist der DAAD. Ich habe alle 389 Seiten des aktuellen Förderkataloges durchtelefoniert: Nichts. Mit den Konditionen der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge ist man dort völlig überfordert. Überall nur hilfloses Schulterzucken und Kopfschütteln. Die Vergabevoraussetzungen gelten noch immer nur für Erasmus-Programme und ähnliches, und die einzelnen Förderungen sind mit dem BA/MA-System noch längst nicht kompatibel. Und es wird auch noch einige Jahre dauern. Ja, die Master-Studiengänge und -Programme! Sie schießen aus dem Boden wie Pilze, oft auch ohne Inhalte oder Struktur bzw. als bloße Umbenennung und Rehabilitierung veralteter Institute und Fachbereiche in Form von moderner Verklärtheit. Mit ihnen ist leider auch die Sicherheit gewichen, so daß sich der Student von heute ohne sie ins große Abenteuer Weiterbildungs stürzen darf. Da bin ich dann doch froh, mein Diplom bereits gemacht zu haben: als Beurkundung von Inhalten, der Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten und selbstorganisierten mit den besten Grüßen an die Industrie! | Homerpage von EurOptics |