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IST BALD WIEDER SO WEIT?

Our government doesn’t like students and pupils and teachers demonstrating together with the workers, the unemployed and the poor — strange, isn’t it?


   | Anna Panek (BERLIN). Sie sind nicht zu zählen: die Schüler, die sich im September wieder auf den Weg gemacht haben, um vor dem Roten Rathaus in Berlin gegen die Situation im Bildungsbereich zu protestieren. Wladek Falkin von der kommunistischen Jugendorganisation „Revolution“ übernimmt in einer symphatisch ruhigen Art die Aufgabe, die Anwesenden auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen, und liefert eine kurze Zusammenfassung der jüngsten Proteste in Spanien, Frankreich und Polen.
   Die mangelhafte Pressepräsenz, die technischen Problemchen und die eher harmlos anmutende Vorankündigung auf der Website von SOLID selbst spielten keine Rolle für die weit über fünftausend Bildungshungrigen. Zwar hatte man noch drei Tage vor der Demo den Schülern lediglich „nahegelegt, getrost nach der Schule mal vorbeizuschauen“. Diese vorsichtige Darstellungsweise dürfte sich jedoch mit dem repressiven Engagement des Schulsenats begründen lassen. Dieser hatte die Schuldirektoren und Lehrkräfte im Vorfeld aufgefordert, ihren Schülern eine Teilnahme an der Veranstaltung und ein Fernbleiben vom Unterricht unter Androhung von Konsequenzen ausdrücklich zu untersagen.
   Schauen wir zurück auf die letzten Proteste an der FU, zeigt sich, wo der gesellschaftliche Gehorsam endet. Nachdem ein paar Studierende ihrem Unmut am Präsidialamt Luft gemacht hatten, fand man sie in Scharen auf den schicken roten Gangteppichen der Silberlaube wieder. „Weshalb sich die Mühe machen und zum ohrenlosen Präsidenten gehen?“ – „Wozu kostbare Bildungszeit ungenutzt verstreichen lassen?“ fragte sich der eine oder andere von ihnen. „Weil ich gerne zu Ende studieren würde“, murmelte so mancher. Die wenigsten dürften zu Hause beruhigende Elternpaare haben, das „freie“ studierende Individuum will laut skandierend um sein Bildungsrecht von 2007 und 2008 kämpfen. Also marschiert es nach dem Rückweg zum Hauptgebäude zuerst durch die Gänge, dann durch die Hörsäle, und landet schließlich, als wäre nichts geschehen, im letzten Zufluchtsort: in der Mensa.
   Im Gegensatz zur selbstbestimmten Studentenschaft zogen die Schüler es vor, den altbewährten Slogan des Hochschulprotests abzuändern und gaben ihm dadurch eine tiefgründigere Note. WIR SIND HIER! WIR SIND LAUT! WEIL MAN UNS DIE ZUKUNFT KLAUT! Welchen Stellenwert die Bildung für die Zukunft des Einzelnen und der Gesellschaft hat, wird wohl mit zunehmendem Alter immer mehr verdrängt.

| www.revolution.de.com