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KLASSIK UNTER STALIN

To the centenary of the muscial genius Dmitry Shostakovich



Azerbaijani artist Tahir Salahov painting Shostakovich’s portrait, 1974-1976.


   | Schirin Khalik (BERLIN). Ein oft unverstandenes Genie seiner Zeit und ein hochgeschätzter Komponist der unseren — dieses Jahr würde Dimitri Dimitrijewitsch Schostakowitsch (1906-1975) seinen hundertsten Geburtstag feiern.
   Der russische Komponist kommt 1906 als Sohn einer Pianistin zur Welt. Die Musik liegt in der Familie, interessiert den jungen Dimitri jedoch zunächst nicht. Erst als seine Mutter ihm das Klavierspielen beibringt, entfaltet sich seine Leidenschaft dafür. Als der erst Elfjährige 1917 sieht, wie bei einer Demonstration ein Arbeiter von Polizisten erschossen wird, komponiert er eine Hymne an die Freiheit sowie einen Trauermarsch für die Opfer der Revolution.
   Das Talent des Jungen mit dem absoluten Gehör läßt sich nicht länger verbergen. Und so beginnt Dimitri Schostakowitsch mit 13 Jahren sein Studium am Konservatorium in Petrograd. Er studiert Klavier bei Leonid Nikolajew und Kompositionslehre bei Maximilian Steinberg. Seinen Abschluß krönt der Neunzehnjährige mit seiner ersten Sinphonie in f-Moll, die auch außerhalb Rußlands große Anerkennung findet. Kurz darauf folgen weitere Sinphonien, Konzerte und Opern. Seine frühen Werke zeichnen sich vor allem durch die Auseinandersetzung mit der westeuropäischen Moderne aus. Wie in seiner ersten Oper „Die Nase“ von 1927, die das erste lange Schlagzeugsolo der europäischen Musik enthält. Die zweite Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ sorgt für Aufruhr. Zunächst von den Kritikern als Meisterwerk gefeiert, wird sie nach einer Privatvorführung für Stalin wieder abgesetzt. Schostakowitsch fällt wegen seiner Musik bei der Regierung in Ungnade, paßt seine Komposition doch so nicht in das Bild der sowjetischen Kunstdoktrin. Um sich aus der Gefahrenzone zu bringen, hilft Schostakowitsch lediglich ein Kniefall vor der Regierung.



the first drum solo
in history



   Es ist diese Anpassung an die damalige Regierung, die Schostakowitsch auch heute noch von einigen Künstlern zum Vorwurf gemacht wird. Der regierungstreue Stil des Komponisten verbirgt jedoch hinter Tonart und Abfolge auch Kritik an der damaligen politischen Lage in Rußand. Erst nach dem Tod Stalins 1953 löst sich das enge politische Korsett. In seiner gewaltigen 10. Symphonie sehen einige auch eine Abrechnung mit dem verstorbenen Diktator. Trotz zahlreicher Diskussionen um den Komponisten und sein politisches Verhältnis zu Stalin zollt man ihm in den 50er und 60er Jahren wieder mehr Anerkennung. Er erhält zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Ehrendoktortitel der Universität Oxford. 1971 vollendet der Komponist schließlich seine 15. und letzte Symphonie. Am 9. August 1975 stirbt er im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt. Neben seinen Symphonien veröffentlichte er zahlreiche Orchesterwerke, Liederzyklen, Oratorien Kammer- und Filmmusiken. So stammt zum Beispiel auch die sich ständig wiederholende Musikfolge in Stanley Kubricks Film „Easy Rider“ aus Schostakowitschs Feder.