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FLACHSKOPF by Robbe De Hert on DVD, New Star Film , 1980 | Ní Gudix (BERLIN). Es gibt Filme, die vergißt man nie. Dieser belgische Klassiker ist so ein Film. De Witte van Sichem ist ein flämischer Jugendbuchklassiker, so was wie Tom Sawyer auf Belgisch. Es geht um Lewie Verheyden, der wegen seiner strohblonden Haare Wittekop (Flachskopf) genannt wird und auf einem Bauernhof lebt. Das Buch von Ernest Claes erchien 1920. Die erste Verfilmung folgte 1934 ein drolliger Kinderfilm, mehr aber nicht. Robbe De Hert, das belgische enfant terrible und mit Fugitive Cinema einer der ultralinken Alt-68er des flämischen Kinos, entkitschte den Witte 1980 in seiner Leinwandversion und schaffte ein echtes Jugendrebellionsdrama. Witte, grandios gespielt von Eric Clerckx, ist nunmehr fast 13 und fest integriert in das Räderwerk von Schule, Landarbeit und Kirche. Dennoch läßt er sich nicht unterkriegen und schafft sich seine Freiräume selbst. Vielleicht ist es das, was an dem Film so beispielhaft ist, gerade für uns neumodische Großstädter hundert Jahre später: die Botschaft LASS DICH NICHT UNTERKRIEGEN, die Notwendigkeit kleiner Fluchten und der Phantasie und des offenen Geistes. Rimbaud sprach damals vom dérèglement des tous les sens, also Sinneszellen auf und durch. Verdammt noch mal, es ist hier doch immer dasselbe, ich krieg ja mehr Schläge als Essen! Nein, harmlos ist der Film nicht, und komisch auch nicht. Verdammt noch mal, brüllt Lewie am Ende, es ist hier doch immer dasselbe, ich krieg ja mehr Schläge als Essen! Ja, die Jugenderziehung war damals nicht pingelig. Blindwütig dreschen Vater, Lehrer und Hein auf Witte ein, egal, was der gemacht oder nicht gemacht hat. Es ist kein Film zum lauten Herauslachen, es sind keine Lausbubengeschichten. Sicher, der Film lebt von Wittes kleinen Finten, aber die werden nicht als Mittelpunkt inszeniert. Daß Ernest Claes, der Erfinder des Flachskopf, mit der ersten Verfilmung nicht zufrieden war, erfahren wir aus dem auf der DVD entaltenen Archivmaterial. Zu weichgespült sei sie ihm gewesen; obwohl sein Buch ein schelmenstrekenboek ist, glaube er doch, daß er mehr Reflexion, mehr Tiefe hineingesteckt habe. Robbe de Hert hat das ohne Frage erkannt und mit großartigen Darstellern und einem guten Schuß schwarzen Humors umgesetzt. | www.filmarchief.be |