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EIN VOLK, EINE KIRCHE, ZWEI FÜHRER The power of art censorship of a critical poster of the warsawian street artist group RAT ![]() | Sonia Petner (BERLIN). Was ein Plakat alles bewirken kann! Dabei ist es doch bloß bedrucktes Papier... Eines der besonderen Art schickte die polnische Künstlergruppe RAT (Radykalna Akcja Twórcza) an das Warschauer Museum für die neue Ausstellung zeitgenössischer Plakate. Es zeigt Vater Rydzek, den Begründer des Radio Maria, und die Brüder Kaczynski in nationalsozialistischer Stilistik und ist mit Ein Volk, eine Kirche, zwei Führer überschrieben. Und es wurde prompt zensiert. Halb so schlimm: Die Künstler haben es dann in einem größeren Museum gezeigt, indem sie es überall in den Straßen des Warschauer Bezirks Wilianow anklebten. Die Ausstellung Plakaty Plakaty, die man seit Anfang April besuchen kann, zeigt die besten unabhängigen Künstler der Billboards, Schablonen und Straßenkunst, die sich meistens hinter Pseudonymen verstecken. Auch RAT ist eine Vereinigung von Straßenkünstlern. Sie treten meist maskiert auf, ein Kontakt ist nur per Email möglich. Zur Zensur ihres Plakates sagten sie weise: Die Uniform ist ein Symbol der Ordnung, die Priesterkutte das der moralischen Reinheit. Die von uns dargestellten Persosonen sind heutzutage Autoritäten. Diese Vorbilder könnten in Polen eine Wiedergeburt anständiger Werte anstoßen. Erfreulicherweise kann man auf ihrer Internetseite in Auszügen in einem persönlichen Brief der Kuratorin der Ausstellung, Katarzyna Matull, lesen: Also, ich sags gerade heraus, wenn wir Eure Arbeit auf der Ausstellung zeigen, dann werden wir ernsthafte Probleme mit den Fördergeldern bekommen. Die PIS [die Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit Anm. d. A.] wird uns da reinziehen, und dann ist unser Spiel mit der Biennale vorbei. Wie ihr seht, sind wir abhängig von den Herren, die ihr auf eurem Plakat dargestellt habt... Habt ihr irgendwie eine andere Idee, vielleicht etwas weniger, hm, Eindeutiges? Die Veröffentlichung des Plakats ist in der polnischen Presse aufgrund des faschistischen Inhalts verboten. Nur im Internet (und in WORK|OUT in Krakau) ist es frei einsehbar. Die Frage der freien Presse, Meinungsäußerung und vor allem Kunstfreiheit, waren in den letzten Monaten öfter im Interesse der öffentlichen Debatte auch in Deutschland. Im Zuge der Veränderungen durch die neue rechte Regierung in Polen, die einen enormen Druck auf die Medien ausübt, indem sie prozessiert und auf die Entlassung regierungskritischer Journalisten drängt, wird man sich wohl demnächst auf neue alte Werte gefaßt machen müssen. Zumal die Politik mit der antisemitischen Fundamentalchristenheit des Radio Maria Hand in Hand geht. Die Reaktion der polnischen Führung auf die Kritik an antisemitischen und xenophobischen Äußerungen des Mediums war eine Pressekonferenz und eine öffentliche Bekenntnis zu christlichen und nationalen Werten. Kaczynski sagte: Wer gegen Radio Maria ist, ist gegen die Erneuerung unseres Staates. Und damit gegen die IV. Republik! | RAT |