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internationales literaturfestival berlin DIAGNOSE MELANCHOLIE Notes on Jon Fosse ![]() | Violeta Berisha (BERLIN). Der Kunststudent Lars Hertevig ist unglücklich verliebt. In Helene. Blau wie Helenes Augen ist der kleine Riß in der Wolkendecke, der seinen Landschaften ihr einzigartiges, geheimnisvolles Leuchten schenkt. Doch Helene ist erst fünfzehn Jahre jung. Er darf sie nicht lieben. Darüber verliert er den Verstand. Du erfüllst mich, so, wie das Licht den Tag erfüllt. Ich bin etwas Finsteres ohne Dich. Die Ärzte diagnostizieren Melancholie. Lars Hertevig will nur noch malen, doch in der Anstalt werden ihm Farbe und Pinsel verweigert, so daß ihm nur noch die Flucht bleibt. Dem Wahn verfallen stirbt er in einem Armenasyl. Diesem Roman von Jon Fosse liegt das Leben des norwegischen Landschaftsmalers Lars Hertevig (1830-1902) zu Grunde. Es handelt sich jedoch nicht um einen biografischen Roman, Fosse erzählt keine Geschichte, sondern er schafft einen mentalen Raum, zeigt die Innenansicht seines traurigen Helden. Alle seine Figuren haben dies gemein: sie versuchen, ihre Identität zu behaupten und sich aus einem isolierten Dasein zu befreien. Doch sie verstricken sich in sich selbst und bleiben Randfiguren einer Außenwelt, ein Zustand, der sich in ihrer Sprache widerspiegelt. Ständige Wortwiederholungen, Wortendlosschleifen, stehen für die melancholischen sich kreisenden Gedanken des Protagonisten. So auch der Titel des Romans: schlicht Melancholie. Fosse gehört zu der Generation der Autoren, die in den 80er Jahren den Postmodernismus in Norwegen einführten und damit der noch vorherrschenden sozial-realistischen Tradition absagten. Seine Sprache zeugt allerdings weniger von intertextuellen Bezügen und Reflexionen, sie ist vielmehr betont einfach, monoton und zugleich höchst artifiziell mit einem Hang zum Religiösen. Heute zählt er zu den wichtigen Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur und wird als wegweisender Dramatiker des 21. Jahrhunderts gefeiert. Mit seinem Roman Melancholie hat Fosse ein düsteres und verzweifeltes Werk geschaffen. u.a. Jon Fosse, Juror, Literaturen der Welt |