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| wahl 2005 DAMENQUAL Was ist nur das Richtige?! Entscheidungshilfen für die Jungwählerin mit Gehirn | Zieh ich das knappe gelbe an? Oder lieber den blauweißen Hosenanzug? Wer weiß, wies Wetter wird? Vielleicht das bauschige rosarote? Oder die verwaschene rote Jeans? So oder so ähnlich bereitet sich die deutsche Wählerin auf die karge Wahlparty vor, zu welcher das auswechselbare Führungspersonal der Deutschland AG vorzeitig geladen hat. Einige Tips zur Wahl der politischen Garderobe. Wollen Sie zügig in den nächsten Krieg? Dann CDU wählen! Die Verkörperung der Erniedrigung der Frau, ein Anpassungstier, das in seiner Jugend kaum das nötige Bißchen eigener Meinung zum Aufstand im elterlichen Eßzimmer besaß, ist Angela Merkel. Kein Mann im Frauenkleid, der für seine Bisexualität erniedrigt zumindest für Gleichberechtigung politisch wird, sondern ein Heimchen, das auf der zynischen Welle Kohlschen Wohlwollens von Positiönchen zu Positiönchen glitt. Kann man jemandem trauen, der niemals lacht, schlimmer: der niemals lächelt? Da ist nicht Charme, der intelligente Witz, die Waffe der Subversion, die schwach sich gibt, um die grobe Potenz zu übertölpeln sondern allein das Mitläufertum, das sie als die mieseste DDR-Marotte über den Mauerfall hinüberrettete. Oder haben Sie die Frau je einen eigenen Standpunkt vertreten hören? Wenn sie Kanzlerin wird, wird sie schon um jeden Zweifel an ihrer Männlichkeit auszuräumen den starken Mann markieren, sie wird die soziale Unerbittlichkeit, für welche sich die SPD zumindest schämt, zur Tugend der Selbstzucht erklären. Ihr Hündchen, der debile bayrische Schmock, wird ihr den christlich-reaktionären Vorwand liefern, um alleinstehende junge Mütter noch weiter ins Elend zu stoßen. Und sie wird schließlich ihrer Bestimmung gemäß zur Megäre, zum wütend blutrünstigen Weib, das sich die deutsche Waffenindustrie unters Korsett schnürt, um den nächsten Ayatollah mit Bush in die Wüste zu jagen. Die obligate Träne unterm kleidsamen Trauerflor wird beim ersten Soldatenbegräbnis ihre Perle sein. Mehr FDP, mehr Wasihrwollt? Ich bitte Sie! Diese Hallervordens, die kaum ihren Talkshowjob ohne peinliche Figur bestreiten? Wo bleiben da Glanz und Gloria? Haben Sie Kinkel als Außenminister verdrängt? Der mehr Patrioten produziert hat als der RIAS Kommunisten! Mit den FDP-Komparsen kann man sich ganze das parlamentarische Getue, diese sündhaft teure demokratische Kulisse gleich schenken und den Industrie- oder Arbeitgeberverband als Regierung einsetzen. Sie wollen das schöne Regierungstheater behalten? Denken Sie doch als Hausfrau: da haben ein Paar italienische Schuhe für Ihren Mann einen höheren Nutzwert! Die SPD, ach, Mütterchen, mir wird so bang ums Herz. Sie sind schon Einknicker, das ist ihre historische Rolle, schon Tucholsky bemerkte an ihr, es sei ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas : vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen. Und so wurde Schröder denn auch der Genosse der Bosse, scheinbar, damit man ihn in den Vorstandsetagen ernst nahm, in Wahrheit, um wie sein Vorbild Brüning den Konzernen die Wünsche von den Lippen abzulesen. Einen als Volksverräter zu bezeichnen, nur weil er der Profitmaximierungshindernisse aus dem Weg räumt, ist aber hart! Immerhin hat die SPD für ihr Kriegsverbrechen im Kosovo mit der Weigerung, am Irakkrieg mitzumeucheln, Ablaß geleistet. Sie hat aber heute Druck von linksunten, das weiß das Kapital und denkt an Austausch. Falls sie durchaus nicht anders können, machen Sie wenigstens die Einstampfung der deutschen Bundeswehr, die als Werbeagentur für unsere Waffen allenfalls zum Preis eines schönen Krieges taugt, zur Bedingung für Ihr Kreuzchen. Die Grünen in der Regierungskoalition waren wohl das größte Übel der letzten Jahre. Obschon sie bewies, daß Grün beileibe keine linke, noch sonst eine politische Farbe ist. Ich sag nur: Dosenpfand. Ich buchstabiere: D-o-s-e-n-p-f-a-n-d. Oder: Atomkompromiß. 32 Jahre ein Kompromiß, hm? Und: das Omsengesicht. Olle Joschka kennt nichts Grünes als einen Tarnanzug: Er war mit vorn, um Jugoslawien zu zerschlagen, den multiethnischen Störfaktor im Balkan mit Panzern und Bomben zu zerstückeln in einem völkerrechtswidrigen Krieg. Nein, die Grünen dürfen gerade so in die Opposition, in Umweltschutz machen. Es sei denn, Sie sinds zufrieden, daß Landminen und DU-Geschosse nur auf unseren Feldern keine Kinderbeine zerfetzen? Dann ist das Ihre Partei! Da bleibt noch die neugegründete Linkspartei , bestehend aus PDS und WASG. Sie ist, trotz oder vielleicht wegen ihrer kurzen Halbwertzeit bis zur Wiedervereinigung mit der SPD in ein, zwei Legislaturperioden eine kleine Wohltat. In ihr ist gutes junges Potential, die PDS hat Kriegseinsätze, auch wenn sie Friedenseinsätze hießen, immer abgelehnt; die Führung der WASG aus Gewerkschaftlern und Ex-SPDlern will tatsächlich eine soziale Demokratie erstreiten; die innovativen Antiglobalisierungsbewegungen sind ihr nah. Wenn Lafontaine und Gysi nicht zu dick auftragen, könnte die Partei als gute Opposition gut artikulierten Widerstand auf die Straße zurückzubringen. Tja, Hochverehrte, das ist die Qual der Wahl. Es ist auch die Wahl der Qualen, der geringsten, wenn möglich. Leider sind wir nicht in der Schweiz, wo Wahlverweigerung und Plebiszite noch Demokratieduft haben. Doch gönnen Sie sich den Luxus zu wählen nochmal, irgendwann sind Parteien auch de facto abgeschafft, und dann müßten Sie anfangen selbständig zu denken, sich von der Claqueurin zur Akteurin entwikkeln, aber keine Bange, als Leserin dieser Zeitung sind Sie bereits auf dem besten Weg dahin. | Isidor Grim (LEIPZIG) |