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| BLAME CANADA A suggestion for the EU enlargement | Ansgar Lyssy (BERLIN). Das französische und holländische Nein zur EU-Verfassung war auch eine Ablehnung einer ganz bestimmten Konzeption von Europa, die dem Anschein nach nur in Brüssel, nicht aber in den Köpfen und Herzen der Menschen wächst und gedeiht. Viele fühlen sich überfordert von der Geschwindigkeit, mit der die EU erweitert wurde. Die Menschen fürchten Lohndumping, unkontrollierte Masseneinwanderungen und Wohlstandsverlust. Dazu kommt, daß die bereits erzielten positiven Aspekte der EU, nämlich z.B. Frieden, Sicherheit, Reisefreiheit und politische wie monetäre Stabilität, für selbstverständlich genommen und von den Politikern nicht als Errungenschaften vermittelt werden. Die Bürger nehmen von der EU zunehmend nur den scharfen Wind des Wettbewerbes wahr und daß die EU-Gesetzgebung immer öfter mit der nationalen Legislatur in Konflikt gerät. Besonders die Möglichkeit der Aufnahme der Türkei in die EU verunsichert viele. Es wird argumentiert, die Türkei sei zu groß, zu arm, zu fremd und zu unstabil, um ein Beitrittskandidat zu sein. Nehmen wir die Befürchtungen der Menschen doch mal ernst und stellen wir uns die EU-Erweiterung doch mal als eine Art Selbstbedienungsladen vor, in dem nicht zusammenwächst, was eine gemeinsame Geschichte hat, sondern in dem sich reiche westliche Länder zu Zweckbündnissen zusammenschliessen: Laden wir also Kanada in die EU ein! Kanada ist verhältnismässig reich, nicht mal halb so groß wie die Türkei, die Kanadier stammen weitestgehend von europäischen Auswandern ab, sprechen europäische Sprachen, pflegen die europäischen Kulturtraditionen und sind sich ihrer europäischen Herkunft so sehr bewußt, daß sie sich mehr Europa als den USA verbunden fühlen. In der NATO ist Kanada auch und trotz der hausgemachten Skandale so stabil wie nur irgendwas. Und denjenigen, die der Meinung sind, die EU müsse sich außenpolitisch von den USA emanzipieren, käme Kanada als strategischer Außenposten doch gerade recht! |