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35mm PINCHE MALINCHE 8 short stories of Mexicos history
| Isaac Risco (BERLIN). Als der spanische conquistador Hernán Cortés sich an die Eroberung Mexikos machte, hatte er eine eingeborene Frau an seiner Seite, die ihm nicht nur als Dolmetscherin und ortskundige Reiseführerin diente. Die Malinche der Name, mit dem sie in die mexikanische Geschichte einging war vielmehr aufs Innigste mit Cortés verbunden: Für viele war sie einfach seine Geliebte, ihm bedingungslos ergeben und des Verrats an ihrem eigenen Volke schuldig, oder aber seine Sklavin, derer er sich regelmäßig mit Gewalt bemächtigte. Von diesen Interpretationen denen Octavio Paz seine These über den permanenten Konflikt innerhalb der hybriden mexikanischen Identität voranstellte und somit eine Art problematischen Gründungsmythos für ganz Lateinamerika erschaffen hat gehen die acht short stories des Films Pinche Malinche aus, der Ende Juli im Museo Nacional de Antropología in Mexiko vorgestellt wurde. Die visuelle Aufarbeitung des Stoffs unter einer breiten Regieführung (sieben Paare mexikanischer Filmemacher haben in ihm mitgewirkt) soll aber vor allem die Deutungsfähigkeit des Verhältnisses Cortés-Malinche auch über die Identitätsfrage von Paz hinaustragen: So etwa den kritischen feministischen Blick auf die ausprägten Machogesellschaften Lateinamerikas ins Blickfeld rücken, oder aber den Standpunkt einer postkolonialen Soziologie, die eine Aufwertung des westlich Importierten bei gleichzeitiger Schmähung der vorspanischen Kultur in den modernen lateinamerikanischen Staaten zu erkennen glaubt. Ob Liebe, Verrat, mestizaje, machismo oder eben jene nationale Identität, die im Spannungsfeld zwischen zwei Polen nie vollends gedeihen kann alle diese möglichen Perspektiven werden mit den unterschiedlichsten filmischen Mitteln, sei es im Dokumentarstil oder als simulierter Fotoroman, behandelt. Der Fall der verdammten Malinche (pinche, in mexikanischem Slang) stellt damit, auch über den Gesellschaftsentwurf von einer ursprünglichen Vergewaltigung oder Fügung hinaus, seine Tauglichkeit für die zeitgenösische (Film-)Kunst im Zeichen postkolonialer Realitäten unter Beweis. | Links: pinche malinche | Museo Nacional de Antropología |