|
NOT BLACK ENOUGH Africa was the focus of the Life 8 concerts but where were the Africans? And who was to benefit? | Sophie Diesselhorst (BERLIN). Alles drehte sich um den vergessenen Kontinent bei dem gigantischen Welt-Konzertereignis am 2. Juli. Nur daß seine Einwohner und ihre Musiktradition im Überschwang des Gutmenschentums ironischerweise unter den Tisch fielen. Bis auf Youssou NDour, der zusammen mit Dido seinen schon ziemlich betagten Welthit Seven Seconds in London aufführen durfte, waren die einzigen Afrikaner, die man auf den europäischen, asiatischen und amerikanischen Bühnen sah, die verhungernden Kinder, die permanent über den Bildschirm flimmerten. Oder? Wer die Kondition besaß, sich die gesamte deutsche Fernsehübertragung anzuschauen, dem bot sich kurz zwischendurch ein überraschendes Bild: afrikanische Musik in einer Regenwaldkulisse. Tatsächlich fand ein kleines, echt afrikanisches Konzertereignis im Südwesten Englands statt im Eden Project. ![]() Das Eden Project ist ein gigantischer botanischer Garten, der zur Jahrtausendwende von einer uneigennützigen Stiftung aufgebaut wurde. Das Ziel unserer Stiftung ist, zu erklären, wie man die Funktionsweisen der Natur empfinden würde, wenn man als Pflanze drauf schauen könnte, und zu erkunden, wie die Menschen angesichts dieser neuen Perspektiven handeln sollten, erklärt Tim Smit, einer der Initiatoren, die Mission des Projekts. Genau der richtige Veranstaltungsort also für ein Konzert, das die Welt besser machen will. Entsprechend euphorisch war die Stimmung bei Zuschauern und Künstlern. Hier ist es wie in Afrika! Die Leute sind hier so viel fröhlicher als in London, schwärmte der sudanesische Rapper Emmanuel Jal, ehemaliger Kindersoldat. Aber trotzdem hätte er lieber in London gespielt, um mehr Leute zu erreichen im Gegensatz zu 200000 Zuschauern im Hyde Park war die Veranstaltung im Eden Project mit 5000 Gästen ein Kammerkonzert. Auch zur Wirkung des Megaereignisses äußerte sich Jal skeptisch: Alle sagen heute ,Wir lieben Afrika, aber ich weiß, daß die Menschen das nach den Konzerten vergessen, wenn wir nicht immer weiter Druck machen. Andrew Mwenda, ugandischer Journalist, forderte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung genau das Gegenteil: Ignoriert Afrika! Den Schuldenerlaß für die ärmsten Länder, den die Initiatoren des Konzertes fordern, bezeichnete Mwenda als einen Blankoscheck für die afrikanischen Diktatoren. Seine Forderung an die G8-Staaten: Stellt alle finanzielle Hilfe ein. Sorgt dafür, daß alle Länder ihre Schulden auf Heller und Pfennig zahlen. Alle Hilfe verschleiert nur die Inkompetenz unserer Despoten. Das Live-8-Konzert sei erwartungsgemäß eine Katastrophe in Sachen Afrikahilfe gewesen. Bleibt zu hoffen, daß die dem Plattenhandel äußerst zuträgliche Künstlerinitiative ihren Lieblingskontinent wenigstens nicht noch weiter in die Armut hineinreitet. Das Geld, das vor 25 Jahren im Rahmen des Vorbilds Live Aid gesammelt worden war, ist nämlich in der äthiopischen Staatskasse versickert und hat so höchstwahrscheinlich mehr Schaden als Nutzen gebracht. | Info und Bilder zum Eden Project | write to the author: sophie_diesselhorst@yahoo.de |