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FREMDWORT BILDUNG

Schröder will go, Angie will come — the one like the other ruins higher education in Germany.

   | Jan Henning Rogge (BERLIN). Als die SPD die Bundestagswahl 1998 gewann, hatten ihren Anteil daran sicherlich auch einige der 1,8 Millionen Studenten in Deutschland. Der allgemeine Unmut über die bescheidenen Studienbedingungen, Angst vor Studiengebühren und die Planlosigkeit in der Bildungspolitik der Regierung Kohl fanden ein Ventil in den Streiks 1997/98, die sich flächendeckend über das ganze Land ausbreiteten. 1,8 Millionen Studierende von über 60 Millionen Wahlberechtigten sind 3% der Wahlberechtigten. Zählt man nun noch ihre Sympathisanten hinzu, haben wir es mit einer recht großen Interessensgruppe zu tun, für die es sich lohnen sollte, das ein oder andere heuchlerische Wahlversprechen abzugeben. Sei es die „bedarfsgerechte und Elternunabhängige Ausbildungsförderung“ oder die hübsche Ausführung „Wir wollen alles tun, damit die Qualität von Wissenschaft und Forschung internationalen Maßstäben gerecht bleibt.“ (Berliner Programm 1998) — das war Balsam für die Seelen der vom Langzeitstudenten Kohl genervten, ausgesessenen und mißachteten Studierenden.
   Doch was hat sich getan? Bekommen alle Bafög? Hat sich irgend etwas an der Gesamtsituation verbessert? Nein, denn nach dem Kohlschen Aussitz-Prinzip kam Schröders ruhige Hand. Die in diesem Land vorherrschende Reaktionspolitik kam zur vollen Entfaltung. Liest sich das Berliner Programm noch als mögliches Konzept, als Vorhaben, so war davon nach der Wahl nichts zu spüren. Eine Modifizierung des Hochschulrahmengesetzes Anfang 2001 beruhigte vielleicht die hart arbeitenden Bildungspolitiker — bei uns unten im Hörsaal, in der Ecke auf dem schwarzen, schmutzigen Fußboden, kam sie nie an. Was kam, war Ende 2001 die PISA-Studie und mit ihr die Reaktion: Ganztagsschulen und Eliteunis. Es war vorher klar, daß etwas faul ist mit dem Bildungssystem. Daß schlechte Integrationspolitik von den Schulen nicht aufgefangen werden könnte. Daß gute Wissenschaftler in die Wirtschaft oder ins Ausland gehen, wo sie weniger starre Strukturen und mehr Geld als an bundesdeutschen Unis erwarten können.
   Was für eine Reaktion sollte das sein, Eliteunis, Bildungscluster, Leuchttürme der Spitzenforschung? Es geht aber ums Ganze. Es geht darum, daß ein Land nur eine Zukunft hat, wenn es über gut ausgebildete Bürger verfügt. Dennoch, dank eines amerikanischen Fanatikers wurde Schröder wiedergewählt. Für die Studenten waren Stoibers Verhältnis zu Studiengebühren und Schröders Aussage, daß es mit ihm keine geben werde, nicht unerheblich. Doch der Wahnsinn hat Methode in diesem Land, kein Konzept, nur Reaktion. So wie Ende 2004: die SPD fügte dem Hochschulrahmengesetz den Zusatz hinzu, der das Erststudium von Gebühren befreien sollte. Um es der CDU mal zu zeigen. Aber man hätte es wissen können, daß daraus nichts wird. Und so wurde die immer wieder aufflammenden Diskussion über Eliteunis (für die das Geld fehlt) überlagert von der Entscheidung des BVG im Januar 2005, Studiengebühren zur Ländersache zu erklären. Für Studiengebühren aber fehlt den Studierenden das Geld. Was wiederum Merkels CDU gar nicht interessiert. Unter www.cdu.de kann man nachlesen, wie sich die CDU das alles so vorstellt: Ein Studium ist sowieso schon unsozial, es studieren ja eh fast nur Kinder gebildeter Leute — und denen kann man die Kohle gleich abnehmen, die haben’s ja. 500 Euro findet man da ganz in Ordnung, steht da, und überhaupt, in Deutschland wird zu lange studiert, in England und Australien ist das viel besser. Daß diese beiden Länder ein völlig anderes Studiensystem haben und deswegen für einen Vergleich nicht zur Debatte stehen, verschweigt man geflissentlich. Und überhaupt ist das Ausland besser. Ja heissa, das Schiff sinkt, und wir müssen im Ausland Pumpen kaufen, um die Havarie zu verhindern. Wahrlich, ich sage Euch: der alte Mann Schröder geht, und statt seiner wird ein Hosenanzug übers Land kommen. Es wird kälter werden, dort unten auf dem schwarzen, schmutzigen Linoleum der Bildungsrealität, es wird kommen groß Wehklagen, leere Taschen werdet Ihr haben und hungern nach Bildung und Gerechtigkeit. Amen.

| ein weiteres CDU-Dokument zu Studiengebühren