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bologna process

BAH!

The Bachelor of Arts — do harmonised university degrees for all Eureopean students really make sense?

   | Sophie Diesselhorst (BERLIN). Bevor ich im September 2001 nach dem Abitur nach England ging, um am University College London den BA in Philosophie zu absolvieren, kannte ich die Vor- und Nachteile der angloamerikanischen Struktur noch nicht. Ich wollte vor allem ins Ausland gehen und fand, daß der sichere Abschluß nach drei Jahren etwas Handfestes wäre.
   Zunächst wurde ich nur positiv überrascht: bloß 35 Kommilitonen in meinem Jahrgang, jeder kannte jeden, und die Professoren grüßten einen auf der Straße. Der Kurs ließ sich nicht allzu verschult an, in den kleinen Tutorien konnten wir Studenten mitentscheiden, was wir behandeln wollten. Als ich allerdings nach einem Trimester Philosophie und Kunstgeschichte statt nur Philosophie studieren wollte, teilte man mir mit, daß ich nach drei Monaten schon zuviel verpaßt hätte, um die fehlende Materie in zweieinhalb Jahren noch aufholen zu können. Es hat ja durchaus etwas für sich, als unerfahrener Student bei der Auswahl seiner Kurse an die Hand genommen zu werden. Aber wenn Richtungswechsel oder Ausflüge in andere Gebiete praktisch unmöglich werden, widerspricht das dem, was Universitäten eigentlich sein sollten: Orte, wo wir auch lernen, uns zu orientieren, dabei über den Tellerrand zu blicken und neue Interessen zu entwickeln.
   Die englischen Studenten haben in drei Jahren zwar einen Abschluß für den Start ins Berufsleben, aber nur die besten können sich für einen weiterführenden MA bewerben. Viele meiner englischen Freunde hätten hier in Deutschland sicherlich einen sehr guten Magisterabschluß gemacht, hatten aber nach drei Jahren BA-Abfertigung nicht genügend Selbstvertrauen und auch keine Lust, weitere Jahre für einen MA aufzusatteln. Hauptargument gegen das Weiterstudieren allerdings ist: für ein Jahr MA zahlt man mindestens so viele Studiengebühren wie für drei Jahre BA. Da fragt es sich, ob das entscheidende Kriterium tatsächlich das Können ist — und nicht die Brieftasche.
   Mir erscheint die völlige Vereinheitlichung der höheren Bildung in allen EU-Ländern unsinnig. Wäre es nicht vernünftiger, eine gewisse Pluralität auch bei den Abschlußmöglichkeiten zu bewahren, damit sich die europäischen Studenten mit unterschiedlicher Oberschul- und Grundstudiumserfahrung selbst entscheiden können, wie sie studieren möchten?

| WORK|OUT articles on the UK:
— Hochschulpolitik in der Klassengesellschaft
— Nur Druck hilft
— Carico di debiti
— (Short News n°4)

| WORK|OUT links to Bologna Process