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MACH MIR DIE LEWINSKY Its a cheat: After they have done one unpaid internship after the other young academics do not find a job. | Jan Henning Rogge (BERLIN). Die Zeit hat sie Die Generation Praktikum genannt, auch die Süddeutsche Zeitung hat sich dieses Phänomens angenommen. Nun, gestern abend saßen wir zusammen, zwei Doktoranden, ein Politologe mit Diplom, der in Erwägung zieht, eine Ausbildung zum Steuerfachgehilfen zu machen, die Studentin im Staatsexamen und der Magistrant, und es war klar was danach kommt ist unklar. Und jeder kannte jemanden, der gerade sein zweites, drittes unbezahltes Praktikum macht. Nach dem Studium kommt nicht der Jobmarkt, sondern der des Kaffeekochers. Oder die Möglichkeit eines Vollzeitjobs ohne Bezahlung. Oder die von Papa finanzierte Doktorarbeit. Eine befreundete Grafikdesignerin entwirft für fünf Euro die Stunde Bierdeckel (ihr Chef berechnet dem Auftraggeber dafür vermutlich das Zwanzigfache), eine andere hat schon einen durch Kellnern finanzierten Dokumentarfilm gemacht und ans Fernsehen verkauft nun sitzt sie in einer Dokumentarfilmfirma und bekommt nichts. Außer Arbeit. Die Mediendienstleister in Berlin, die den Zusammenbruch des Kirchimperiums überlebt haben, werden in Kennerkreisen schon seit geraumer Zeit als Praktikantenbuden bezeichnet. Doch während sich dort früher arme Irre ohne Abschluß für den Traum eines Quereinstiegs in eine Seifenblasenbranche ausbeuten ließen, sind es heute mehr und mehr Akademiker, die ohne Bezüge die geplatzten Seifenblasen aufwischen. Der Traumjob ist irgendein Job. Das Managermagazin stellte jüngst in einer Umfrage fest, daß es sich über fünfzig Prozent der Studierenden vorstellen könnten, im Ausland zu arbeiten. Die Schwammigkeit der Fragestellung ist kaum zu überbieten. Ich vermute, hundert Prozent der Studenten können es sich vorstellen, zu arbeiten für Geld, wenn möglich. Wo, ist den meisten vermutlich völlig egal. Als ich mit dem Studium begann, sagte man uns: Lernt Sprachen, macht Praktika, dann habt ihr alle Möglichkeiten. Das Bild hat sich gewandelt. Heute müßte es wohl eher heißen: Lernt Sprachen, studiert schnell, Praktika macht ihr sowieso noch genug. Es gibt keine Statistik, in der sie auftauchen, die Praktikanten, die Heerschar der Verzweifelten. Sie sind weg vom Arbeitsmarkt und blockieren ihn zugleich. Internetjobbörsen bieten Jobs für Menschen mit Berufserfahrung oder Praktika und wie viele Praktikanten bei der Süddeutschen Zeitung oder der Zeit so arbeiten, würde mich auch interessieren. Machen wir uns doch nichts vor, sollte die Wirtschaft dann mal wieder richtig anspringen, wird sie sich nicht vom Konzept der Ausnutzung verabschieden wollen. Jemand, der verzweifelt genug ist, ein sechsmonatiges unbezahltes Praktikum anzunehmen, spart einem Unternehmen richtig Geld. Ein Vorteil des Wirschaftsstandortes Deutschland. So langsam sind wir hier alle von den Medien, den Parteien und Wirtschaftsvertretern weichgekocht genug. Wir glauben jeden Mist, lassen uns zu allem breitschlagen. Der Traum des Großkapitals sind jene Praktikanten, die bei großen Wirschaftsunternehmen bereits für ihren Praktikumsplatz bezahlen. Weil es die Karriere voranbringt. Noch zwei Jahre von dem Gejammer an der Spitze, und wir haben Verständnis dafür, unseren eigenen PC (bitte mindestens Pentium 4 und Windows XP, wegen der Vernetzung) mit zur Arbeit zu bringen. Matthias Stolz, Verfasser des oben erwähnten Zeit-Artikels, hat den einzigen möglichen Ausweg aus dem Dilemma schon genannt und stellt fest, daß daraus nichts werden wird: sich den Praktika zu verweigern. Ein Bekannter von mir hat während seiner Magisterarbeit gesagt, er werde nach dem Abschluß nie wieder ein Praktikum machen. Er macht gerade sein drittes. |