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1. 5. 2005 BERLIN The 1st of May in Berlin - the report of a day in the life of two brothers Hella (BERLIN). Johannes und Sascha sind am Heinrichplatz aufgewachsen, mitten in Kreuzberg. Johannes ist 17, Sascha 12. Was wird dieses Jahr am 1. Mai, dem wohl wichtigsten Tag im Bezirk, passieren? Werden wieder Tränengasgranaten durchs Zimmerfenster fliegen, Vermummte und Verletzte im Hauseingang Schutz vor der Polizei suchen und Autos auf der Mariannenstraße brennen? Johannes wurde 1987 im Jahr des großen Krawalls geboren, die Mutter mit dem dicken Bauch stand noch in der pflastersteinübersäten Straße. Vor Bolle drängten sich Hunderte mit großen Müllsäcken, türkische Großfamilien und deutsche Autonome, die Lebensmittel in sich hineinstopften. Dann ging der Laden in Flammen auf. Das Kindheitsabenteuer 1. Mai wurde für die Brüder im Laufe der Jahre Routine, gebannt hingen sie am Fenster. Die Randale wurde für sie immer mehr zum Kult. 2004 konnten sie gerade noch weglaufen und hörten die Pflastersteine hinter sich aufschlagen. 2005 bleibt es ruhig. Sascha liegt schon um 23 Uhr im Bett. Der große Bruder steht mit Freunden auf der Straße und telefoniert. Das Handy zerschellt im Straßenschmutz, als er von zwölf Polizisten verhaftet wird. Im Polizeiwagen sitzen schon einige. Ein Schwarzer hat eine plattgeschlagene blutige Nase, ein türkischer Jugendlicher kollabiert fast aus Angst. Sie werden zur Wache gebracht und erkennungsdienstlich behandelt. Man verlangt von ihnen, sich vermummt und unvermummt fotografieren lassen und sperrt sie dann weg. Was passiert jetzt mit mir? Ohne Antworten verbringt Johannes die erste Nacht seines Lebens in Haft. Du hast Flaschen geworfen, wirft man ihm am nächsten Tag auf dem Weg zum Haftrichter vor. 40 Gefangene sitzen im Wagen, der Schwarze ist auch wieder dabei, und viele türkische Jungen. Plötzlich geht die Tür noch mal auf. Johannes hat Glück, er kann doch noch nach Hause. Nachmittags steht schon wieder am Arbeitsplatz. Ob das Verfahren gegen ihn eingestellt wird, weiß er nicht. Auch nicht, auf wie vielen Plakaten sein Gesicht zu sehen sein wird. Alles was er weiß, ist, daß seine Mutter Angst hat und der 1. Mai 2005 für sie alle noch nicht vorbei ist. |