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BUMERANG

Racism lurks behind every corner... not even Ariel Sharon could escape from it.

   | Isidor Grim. Hans Mayer, glaube ich, sagte, immer wenn man die Dialektik totgeredet zu haben glaubt, sitzt sie in der Ecke und grinst. So ereilt als absurde Logik der Geschichte den israelischen Premierminister ein Schlag aus unerwarteter Richtung: das ultraorthodoxe Wochenblatt „Shaa Tovà ba-Hadashot“ stellte in ihrer jüngsten Ausgabe in Zweifel, daß Ariel Sharon tatsächlich Jude sei. Seine Mutter, eine Weißrussin aus Mohilow, sei Tochter eines Juden und einer Nichtjüdin. Von orthodoxen Rabbinern, so die Zeitschrift, könnten also weder sie noch ihr Sohn Ariel als jüdisch angesehen werden, da das Judentum von der Mutter auf die Kinder übergehe.
   Damit trifft rassistischer Wahn einen, dessen Elterngeneration ihn durch die Deutschen erlitten hat: den Kriegsverbrecher Sharon, der vor einer Untersuchungskommission im Jahre 1956 sagte: „Ich habe die Palästinenser Qual und Schmach kosten lassen. Ich kenne keine ‚internationalen Prinzipien‘. Ich versichere, ich werde jedes palästinensische Kind samt seiner Mutter verbrennen, das in dieser Region geboren wird. Palästinensische Mütter und Kinder könnten gefährlicher sein als ein palästinensischer Mann, denn sie bedeuten die Fortsetzung der Generationen. Aber die Männer stellen eine konstante Gefahr dar, so daß auch sie am Ende getötet werden müssen. Ich schwöre es euch: auch wenn ihr mir all meine militärischen Grade entzieht, wenn ich einem Palästinenser begegnen würde, dann würde ich ihn töten und verbrennen, und ich würde ihn qualvoll leiden lassen, bevor er stirbt. Ich habe auf einen Schlag in Rafah 1956 siebenhundertfünfzig Palästinenser umbringen lassen und meinen Soldaten als Belohnung erlaubt, arabische Frauen zu vergewaltigen. ... Keiner wird unser Verhalten beschränken, denn wir bestimmen das Verhalten anderer.“*
   Sharons lebenslanger Kampf zum Schutz Israels als General und Minister war ein Massaker. Die jetzige Handlungsfähigkeit des Hardliners Sharon — der, wie auch viele linksliberale Israelis eingestehen, möglicherweise der einzige ist, der die Räumung der unrechtmäßig besiedelten Gebiete durchführen kann, gerade weil er deren Besiedelung seinerzeit selbst mit vorantrieb — kann für den israelisch-palästinensischen Friedensprozeß entscheidend sein. Genauso entscheidend wie der bedingungslose Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus, die gefährlichste Form kollektiver Dummheit auf der Welt, egal, wen sie trifft.

| *zitiert nach: Mohammed Saleh Almes. r, „Al-Quds Al-Arabi“, 2. 4. 2002, S. 19

| frühere Beiträge zu Israel/Palestina:
   Die zweite Intifada, 2001
   Menschliche Bombe, 2002
   Heil Sharon!, 2002
   Der Schrecken, der Knecht, 2002
   Terroristi della pace (it.), 2003
   Palestine Blues, 2004