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VOM FREIEN WILLEN

Imprisoned in Stammheim, the RAF member Gudrun Ensslin wrote in her letters to her sister about the “freedom” of ordinary working people to read, or not, the tabloid papers.

   | Gudrun Ensslin. ...Ausbeutung heißt halt nicht mehr Analphabetentum und Kinderarbeit, 80-Stunden-Woche und trockenes Brot, sondern 40-Stunden-Woche, Fließband und vom Lohn Essen, Trinken und Fernsehen, und wenn sich einer aus der Klasse der Arbeiter (der Mehrheit nicht wahr?) besonders schindet, vielleicht noch Opel und Ferien. Aber bei Gott, dann ist er mit 40/50 im Arsch und das weiß er auch. Um es zu vergessen, gibt es „Bild“, von dem kein Mensch, der das Privileg hat, im Vollbesitz eines ausgebildeten Verstandes zu sein, behaupten wird, 4 Millionen Arbeiter kauften es aus „freiem Willen“.
   Die Revolution findet entsprechend der Entwicklung der Kapitalherrschaftsformen neue Formen, den Kampf zu fähren. Stadtguerilla ist eine davon, da bin ich sicher. Nimm einen Globus zur Hand und such’ mal alle Länder, in denen Revolutionäre Stadtguerilla versuchen. Das vermittelt auch den zwangsläufigen internationalen Zusammenhang, der existiert schon allein aufgrund der Entwicklung die das Kapital seit Marx genommen hat.

| Ende März 2005 erscheinen „Gudrun Ensslins Briefe aus dem Gefängnis“ im Konkret Literatur Verlag.