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KRITIK DER WAFFEN

Über die Begrenztheit eines aufklärerischen Journalismus

   | Jürgen Elsässer (Berlin). George Bush und George Orwell — die Wirklichkeit hat die Lüge eingeholt. Wie hieß es in der Anti-Utopie 1984: Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei. Tatsächlich, vor unseren Augen überlappen sich die Bilder: Ist Afghanistan ein befreites Land mit nagelneuer Verfassung — oder eine Kolonie des Imperiums mit einer Operetten-Regierung? Befindet sich der Irak auf dem Weg zur Normalität — oder sterben dort zur Zeit mehr Menschen als in den letzten Jahren Saddam Husseins? Ist Guantanamo ein Internierungslager für Terroristen — oder das größte KZ der neueren Geschichte?
   Das sind schwierige Fragen — aber keine, die man mit etwas Anstrengung nicht beantworten könnte. Die meisten Zeitgenossen jedoch kneifen angesichts der flimmernden Momentaufnahmen die Augen zusammen, schütteln den Kopf, zappen die Nachrichtensendung weg. Unwissenheit ist Stärke, das letzte Gegensatzpaar in Big Brothers Slogan, findet den größten Zuspruch. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.
   Dabei war es noch nie so einfach, die Lügen zu durchschauen. Die folgenschwerste Behauptung des letzten Jahres, die von den irakischen Massenvernichtungswaffen, ist jedenfalls bis zu den Knochen abgenagt. Erinnert sich noch jemand, wie der britische Premier mit irrem Blick vor Saddams Atomraketen warnte, die in 48 Minuten einsatzbereit seien? Wie der US-Präsident Ende Januar von neuen Erkenntnissen berichtete, wonach sich der Diktator bombenfähiges Uran in Schwarzafrika besorgt habe? Wie der US-Außenminister dem UN-Sicherheitsrat Luftaufnahmen zeigte, die beweisen sollten, daß die arabischen Hurensöhne ihre Mordwerkzeuge vor den Inspekteuren versteckt hatten?
   Der Chefs der UN-Kontrolleure, Hans Blix, hat sich schon im Frühjahr 2003 nicht von diesem Propaganda-Feuerwerk beeindrucken lassen. Der britische B-Waffenexperte David Kelly wollte im Mai 2003 die Lügen seiner Regierung nicht länger mittragen und wurde das Opfer seiner Ehrlichkeit. Anfang 2004 zog Washington 400 Spezialisten aus dem Zweistromland ab, die dort nach verborgenem Verbotenen gefahndet hatten. „Die Verringerung des Personals wurde von Militärs als Hinweis gedeutet, daß die Regierung womöglich nicht mehr erwartet, daß noch chemische oder biologische Waffen im Irak gefunden werden“, faßte die „Frankfurter Allgemeine“ zusammen. Kurz darauf packte Bushs ehemaliger Finanzminister Paul O’Neill aus: Der Angriff auf den Irak sei bereits unmittelbar nach dem Amtsantritt der neuen Regierung im Januar 2001 geplant gewesen. Mittlerweile verschanzen sich die Betrüger in ihrem letzten Schützengraben: Saddam habe zwar keine ABC-Waffen gehabt, aber es selbst nicht gewußt — wie hätten man es da von den Alliierten verlangen können? Darüber ernsthaft zu debattieren verbietet die Selbstachtung.
   Kurz und schlecht: Der Feldzug im Irak war ein Angriffskrieg, und seine Begründung war ein Fake wie der Überfall auf den Sender Gleiwitz oder der Zwischenfall im Golf von Tongking. Die Smoking Gun war nicht in Saddams Präsidentenpalast, sondern im Weißen Haus. Doch das interessiert kaum noch jemanden — ganz im Gegensatz zum Tod von Lady Di, der Grippe von Papst Johannes Paul oder der mangelnden Geschlechtsreife von Michael Jackson.
   Der Grund ist schnell gefunden: Bush hat mit seinen Lügen Erfolg gehabt. Zwar konnte im Irak selbst nichts entdeckt werden, was den Schmäh bewiesen hätte — aber der mit diesem Bluff geführte (und zumindest vorläufig gewonnene) Krieg hat andere Staaten so eingeschüchtert, daß sie ihre militärtauglichen Atomprogramme mehr oder weniger zur Disposition stellen. Libyen hat bereits verbindlich abgerüstet, der Iran hat mit der EU Kontrollen vereinbart, selbst Nordkorea schien zwischenzeitlich handzahm. Nachdem alle Schurken so fügsam die Waffen strecken — wer wollte da dem Sheriff noch vorwerfen, daß er zuerst und ohne jeden Grund geballert hat?
   Die größten Popularitätsverluste mußte Bush immer dann verbuchen, wenn die Gis im Zweistromland besonders schlimm zur Ader gelassen wurden. Mit anderen Worten: Was die Öffentlichkeit wirklich zum Nachdenken brachte, waren nicht die scharfen Analysen aufklärerischer Journalisten oder Wissenschaftler. Es waren die mörderischen Anschläge von irakischen Widerständlern, die die einen als Freiheitskämpfer und die anderen als Terroristen bezeichnen. Nur die eigenen Verluste rütteln die Bürger des Imperiums auf — das Leid der anderen rührt lediglich zu Krokodilstränen. Deswegen ist ein toter US-Soldat als Argument hundertmal überzeugender als ein noch so kluger Leitartikel. Sie wollen nicht hören. Sie müssen es fühlen.
   Marx schrieb: Wenn die Waffe der Kritik versagt, beginnt die Kritik der Waffen. Das war kein Aufruf zur Gewalt, sondern die Entdeckung einer historischen Konstante, wenn auch einer sehr deprimierenden. Oder hat jemand ein Gegenbeispiel?

Vom Autor erschien im März 2005 im NP Verlag das Buch „Wie der Dschihad nach Europa kam. Gotteskrieger und Geheimdienste auf dem Balkan“, www.np-buch.at/Zeitgeschichte/El_Dschihad-Europa.html.
| www.juergen-elsaesser.de



Jürgen Elsässer live:

Thursday, 17 March, 7.30 p.m.
Humboldt-Universität Berlin, Hauptgebäude R. 1072
zusammen mit Willy Wimmer MdB CDU und Lutz Herden, "Freitag"

Sunday, 20 March, 5 p.m.
Otto-Passage-Saal, Große Burg Straße 51, Lübeck

Saturday, 26 March, 9 p.m.
TV Teleambiente, Canale 68 a Roma e nel Lazio

Tuesday, 29 March, 5.30 p.m.
Libreria Odradek , via dei Banchi Vecchi 57, Roma



deutsch

CRITICA DELLE ARMI


Sulla limitatezza di un giornalismo illuminato

   | George Bush e George Orwell — la verità ha superato la menzogna. Come era definito nell’anti-utopia “1984”: La guerra è pace, la libertà è schiavitù. Balenano infatti dinnanzi ai nostri occhi riflessioni, quali: Afghanistan è un paese libero con una costituzione nuova di zecca — oppure una colonia dell’impero con un governo da operetta? L’Irak si sta avviando verso la normalità — oppure là muoiono piú persone ora che durante gli ultimi anni di Saddam Hussein? Guantánamo è una prigione per terroristi oppure il piú grande campo di concentramento dell’epoca moderna?
   Sono domande difficili queste — ma non troppo difficili per provare a rispondere. La maggior parte dei contemporenei al cospetto delle riprese tremolanti sbattono le palpebre, scuotono la testa, cambiano programma se si imbattono in un telegiornale. L’ignoranza è forza, infatti, è l’ultima frase dello slogan del Big Brother a esprimere al meglio tutto ciò: quello che no so, non m’inquieta.
   Ma non è mai stato cosí semplice smascherare le menzogne. L’affermazione con gli effetti piú gravi dell’anno scorso sulle armi di distruzione di massa irachene è stata spolpata fino all’osso. Qualcuno si ricorda ancora come il primo ministro britannico avvertì dei missili atomici di Saddam, pronti all’uso in 48 minuti? Come il presidente degli Stati Uniti dichiarò a fine gennaio di essere venuto a conoscenza del posto preciso in Sudafrica in cui il dittatore si era procurato l’uranio per le bombe? Come il ministro degli esteri statunitense sottopose al consiglio di sicurezza dell’Onu riprese aeree che avrebbero dovuto mostrare che i figli di puttana arabi nascosero agli ispettori il materiale di distruzione?
   Il capo della commissione di controllo dell’Onu, Hans Blix, non si lasciò abbindolare, già all’inizio del 2003, da questi fuochi di paglia propagandistici. L’esperto di armi batteriologiche David Kelly nel maggio 2003 non voleva piú essere coinvolto dalle menzogne del suo governo e fu la vittima della sua onestà. All’inizio del 2004 Washington ritirò dall’antica Mesopotamia 400 specialisti che cercavano armi e materiali vietati. “La riduzione del personale è stata considerata dai militari come la conferma del governo statunitense dell’inesistenza di armi biologiche e chimiche in Irak”, come suppone il quotidiano “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. Poco dopo l’ex ministro del Tesoro di Bush, Paul Neill, vuotò il sacco: L’attacco all’Irak era stato progettato sin dal gennaio del 2001, poco dopo la formazione del nuovo governo. Nel frattempo i truffatori si trincerano nelle loro ultime fosse: Saddam non sapeva piú se era in possesso di armi atomiche — come allora l’avrebbero potuto sapere gli alleati? Discuterne seriamente è vietato dal rispetto che abbiamo di noi stessi.
   In breve: La campagna militare in Irak è stata una guerra d’offensiva e la sua motivazione una falsità come la motivazione dell’attacco contro la stazione radio Gleiwitz (Germania, 1939) o l’incidente nel golfo di Tonchino (Cina, 1964). La Smoking Gun non si trovava nel palazzo presidenziale di Saddam, bensí nella Casa Bianca. Tuttavia ciò non suscita piú tanto interesse — a differenza invece della morte di Lady Di o dell’influenza di Papa Giovanni Paolo II o della poco sviluppata maturità sessuale di Michael Jackson.
   Il motivo è facilmente riconducibile: Bush ha ottenuto successo con le sue menzogne. Nonostante in Irak non si poteva scoprire niente che avrebbe mostrato l’inganno, la guerra condotta (e vinta, almeno per ora) con tale bluff ha intimidito altri Stati a tal punto che gli hanno messo piú o meno a disposizione i loro programmi atomici militari. La Libia ha dovuto cedere al disarmo, l’Iran ha concluso un accordo con gli ispettori europei, la Corea del Nord nel frattempo si è ammansita. E una volta che tutti questi bricconi si sono arresi, chi avrebbe voluto ancora rimproverare lo sceriffo, che ha sparato per primo e senza alcun motivo?
   Bush ha sempre registrato un grossa perdita di popolarità, quando i suoi soldati pagavano il loro tributo di sangue in Irak. In altre parole: ciò che ha fatto riflettere l’opinione pubblica non sono state le acute analisi degli scienziati o dei giornalisti investigativi. Sono stati in effetti gli attacchi micidiali della resistenza irachena, ritenuta dagli uni partigiana, dagli altri terrorista. Solo le proprie perdite scioccano i cittadini dell’impero — la sofferenza degli altri provoca soltanto lacrime di coccodrillo. Perciò un soldato statunitense morto risulta un argomento cento volte piú convincente dell’articolo piú arguto in prima pagina. Non vogliono ascoltare. Devono sentirlo sulla propria pelle. Marx ha scritto: Quando l’arma della critica fallisce, comincia la critica delle armi. Non voleva essere un appello alla violenza, bensí la scoperta di una costante storica, forse la piú deprimente. O qualcuno ha forse un esempio contrario?

| traduzione: Monica Marotta