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EXPLOSIVE BILDUNG

Censorship is not only applied in the media: also schools are its victims.

   | Karl Eins (Berlin). Ende Januar opferte die Brandenburgische Landesregierung ein Stück demokratische Selbstbestimmung dem Wohl der deutsch-türkischen Beziehungen. Sie korrigierte einen „Fehler“ ihres Bildungsministers Steffen Reiche aus dem Jahr 2002. Dieser hatte die Deportation der Armenier als Beispiel für einen Massenmord im Themenkomplex „Krieg-Technik-Zivilbevölkerung“ Klasse 9 und 10 untergebracht. Nach zahlreichen Interventionen hinter dem Vorhang stellte Seine Exzellenz, der Botschafter der Türkei Mehmed Ali Irtemcelik, Anfang Februar nun auch öffentlich richtig, daß bei der Zwangsaussiedlung, die zwischen 1915-23 weit über eine Million Menschen das Leben gekostet hatte, keinesfalls von Genozid die Rede sein könne. Im zeitgemäßen Jargon sprach er von Terroristen und Volksverhetzern, die dem Land offenkundig Schlechtes wollten. Dokumente die einen geplanten Mord oder gar ein Programm zur Schaffung „innerstaatlicher Homogenität“ („konkret“ 2/2005) belegen, gebe es nicht.
   Auf dem Lehrplan der Sekundarstufe 1 in Brandenburg steht nun ein anderer beispielloser Themenkomplex: der erste der aus der Selbstzensur entstanden ist.