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ERFURT INTERNATIONAL

   | N. Schwartz, T. Brömme. Universität: Ort des Schreckens. Unzahl von Massakern und Selbstmorden unter Studenten — und kein Kontinent bleibt verschont. 7. Juni 2002: Maskierte Personen dringen in ein College in Belfast ein und eröffnen das Feuer; 9. Juni: eine Studentin in der Uni Dhaka, Bangladesch, kommt bei der Schießerei zwischen Studentengruppen um; 18. Juni: eine Studentin begeht in ihrem Ferienhotelzimmer in Dallas Selbstmord — oder war es ein Mord? 19. Juni: ein nigerianischer Studentenbund erschießt 17 Ingenieursstudenten während der Prüfungen; 21. Juni: ein Student in Danzig erschlägt mit einer Axt einen Assistenten und verletzt einen seiner Professoren schwer; 4. Juli: eine Studentin in Kalkutta nimmt sich das Leben, überzeugt, daß sie in einer Prüfung durchgefallen war, was nicht zutraf. Die Liste ließe sich leicht verlängern.
   Die Universitätswelt ist nicht mehr der heilige Ort, vor den Schrecken der Realtät bewahrt. Immer öfter erscheint sie entweder als Selbstmordgrund oder als Massenmordbühne.
   Im Selbstmord sehen Studenten einen Ausweg, die voller Zukunftsängste sind, weil ihnen die sozialen Aufstiegschancen versperrt werden. Einer neuen Studie des Sutton Trust Instituts zufolge sind nur 11 Prozent der englischen Jugendlichen, die aus einer nicht begüterten Familie kommen, in der Lage, ein Studium zu finanzieren. Ein Skandal! Hören wir aber auf, das Problem falsch zu verstehen: Weniger das Bildungssystem ist für diese Tatsache verantwortlich als die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit, die in allen Ländern zu finden ist. Lösen wir zuerst dieses Grundproblem und verringern wir diese unakzeptablen Unterschiede. Hören wir überdies mit der Demagogie auf und sehen wir die handwerklichen und technischen Ausbildungen in neuem Licht, um die geistige Arbeit nicht auf Kosten der Handarbeit überzubewerten.
   Und wenn die Universitäten und Schulen das Ziel erschreckender Gewalttäter sind?
   In Nigeria im Mai wurden 206 Studenten verhaftet aufgrund des Verdachts, zu gewalttätigen Geheimbünden zu gehören. In Bangladesch finden bewaffnete Kämpfe zwischen politisch rivalisierenden Studentenvereinen statt, die auf Einfluß auf der nationalen politischen Szene zielen. Was sind das für Zustände, in denen man lieber Unschuldige aus politischen Gründen erschießt, als — wie in der Antike üblich — die verantwortlichen Tyrannen?
   Hier soll nicht ein allzu einfaches Rezept für komplexe und spezifische Problemlagen behauptet werden, sondern wir schlagen statt in grenzenlosen Defätismus und Pessimismus zu verfallen, Alarm! Universitäten sind der Ort, um zu lernen, wie man miteinander forscht, diskutiert und arbeitet. Wenn in der Welt der Kampf um die Existenz rücksichtslos mit kriegerischen Mitteln und nicht mehr diplomatisch ausgetragen wird, besteht die Gefahr, daß auch in der Universität Konflikte mit Gewalt statt Worten gelöst werden.
   Studenten aller Länder, vereinigt euch! Setzt euren Internationalismus des Dialogs der Globalisierung der Gewalt entgegen! Dazu wäre es ratsam, die Unterschiedlichkeit, die Unabhängigkeit und den Zusammenhang der Probleme in den Universitäten jedes Landes zu verstehen. Mit diesem Wissen könnt ihr die besonderen Probleme in eurer Heimat anpacken.