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NUR DRUCK HILFT
ENGLAND AGAINST STUDIENGEBÜHREN
| Svea Klick. Englands Jugendliche haben der Labourparty bei den letzten Wahlen 1997 gezeigt, daß sie sie für die Einführung der Studiengebühren verachten und wählten sie nicht mehr. Blair hat verstanden und läßt seit Herbst 2001 Experten an neuen Modellen zur Hochschulfinanzierung feilen. Neben Stipendien, Gebühren und einer Absolventensteuer ist er jetzt auch der Idee von Unterhaltszuschüssen für bedürftige Studenten gegenüber aufgeschlossen, wie es Wales und Schottland seinerzeit gegen den Widerstand der Regierung in London vorgemacht haben.
Ganz freiwillig tut er es nicht, denn die Nationale Gewerkschaft der Studenten (NUS) organisiert eine landesweite Kampagne gegen Studiengebühren. Eine Petition mit 30.000 Unterschriften überreichte unlängst deren Vorsitzender Owain James dem Premier, während gleichzeitig eine Aktion im Netz unter www.PayUpTony.com läuft, die täglich von gut sechstausend Studenten besucht wird und wöchentlich zehntausend Unterschriften mehr unter die Petition bringt.
Interessant die Parallele zum jüngsten Vorhaben Nordrhein-Westfalens, mit einer Einschreibegebühr von 50 Euro pro Semester eine 100-Millionen-Euro-Finanzierungslücke im Landeshaushalt zu schließen: Londons Bürgermeister Ken Livingstone klagte die britische Regierung an, seit 1997 nicht einen Penny der 400 Millionen Pfund aus Studiengebühren und der durch die Abschaffung der Unterhaltszahlungen eingesparten 790 Millionen Pfund in die Bildung reinvestiert zu haben. Aber wächst in der SPD-Basis der Widerstand wie in der Labourparty, wo jetzt hundert Parlamentsabgeordnete, darunter ehemalige Minister, einen Mißtrauensantrag gegen die Hochschulpolitik ihrer Regierung unterzeichnet haben?
Voraussichtlich wird das Department of Education and Skills kein Budget erhalten, um die Studien- und Unterhaltskosten ärmerer Studenten wieder zu tragen. Allenfalls Stipendien, also selektive Studiensubventionen, könnte es geben, und die Hochschulfinanzierung selbst bleibt konstant. Es sieht so aus, als würde die britische Regierung ihren hehren Anspruch, mehr Schulabgängern den Zugang zu Hochschulbildung zu ermöglichen, verfehlen, denn es ist einfach eine finanzielle Frage für Familien mit niedrigen Einkommen, die schon jetzt nur noch 17 Prozent ihres Nachwuchses studieren lassen können. Sie und die NUS werden Blair spüren lassen, daß das überleben der Labourparty von den Chancen der Klasse abhängt, aus der sie hervorgegangen ist.
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