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HANS IM GLÜCK

   | Alles ist bestens. Ich bin Student, hab’s Abi hinter mir, kann Mathe, Englisch, schreiben, denken, mein Seminarplan fürs Semester ist fast komplett, BAFöG geht klar, die Eltern geben Ruhe, hab’n Messejob für Juni-August für die Chinareise im September, im Herbst mach’ ich ein Grafikpraktikum. Heute war der erste Unitag, ich war da, pünktlich, motiviert, zwei der Vorlesungen sind echt abgefahren, und eine süße Italienerin hat mich so angelächelt... Aber immer, wenn ich durch die Flure von einem Kurs zum andern lief, bedrückte mich was. Und je später der Tag wurde, desto mehr wuchs sich dieses Unbehagen zu einer unerträglichen Beklemmung aus. Woher die kam, weiß ich auch nicht so recht. Zuhause überfällt sie mich öfter und immer öfter in letzter Zeit, und schnürt mir mit unheimlicher Kraft die Kehle zu. Dann schaukelt’s sich hoch: erst bin ich nur down, dann verzweifelt, dann wird es eine Scheißwut, zu der mir wirklich keiner dumm kommen sollte. Ich glaube, es hat nach dem 11. September begonnen, mit Schröders blödem Bündnisgequatsche. Was soll’s, dachte ich, Politik. Nicht mein Bier. Bis zu diesem Wochenende: Zusammen mit Rico war ich auf Piste, mit seiner Vespa sind wir von Mitte nach Friedrichshain auf’n Prenzl’berg und wieder zurück gedüst, die Stimmung und vor allem die Musik in den Clubs war klasse, es wimmelte nur so von haltlosen Hüften und Seitenblicken, wir haben getanzt bis zum Muskelkater (heute morgen); leider wollte Rico dann doch einen Cocktail und so ging es, wenn auch glücklich, zu Fuß nach Hause. Und da, im ersten Morgenschimmer, packte es mich wieder. Dieses Magengrimmen, dieser Angstkrampf, diese Niedergeschlagenheit, aber mit einer Gewalt, wie ich sie nie zuvor gespürt habe. Ich stand an der Ampel, und mir fiel wohl irgendein Zeitungsfetzen ins Auge, Fischer war drauf, glaub’ ich. Alles in mir ballte sich zur Faust, und da wußte ich es so sicher wie das Amen im Bundestag; ein Film lief plötzlich vor mir ab, ich sah meinen Opa im Schützengraben bluten, sah die zerbombten Brücken in Belgrad, sah die Lämmer auf der Luftfahrtausstellung zum Schnappschuß vor dem Eurofighter grinsen. Und da war ich mir sicher: Deutschland wird Krieg führen. Ich verdien’ schon jetzt daran. Und wenn es soweit ist, werd’ ich mitmachen, zumindest wenn es darum geht, so zu tun, als wär’ alles bestens .

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