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ausgabe 10 | april 2002



LUFT UND LIEBE

Hurra, wir leben noch! Was braucht der Student zum Leben? — Nichts, oder doch so gut wie nichts. Es muß nicht immer Kaviar sein. Wir ham doch die Berliner Luft! Jede Kulturhauptstadt hat Kultur, Arbeit, Gesundheit und Studenten. Es gibt Kulturhauptstädte ohne Theater und Kunsthochschulen, ohne Arbeitsamt, mit nur einem Krankenhaus — Kulturhauptstädte ohne Studenten gibt es nicht. Es ist doch nicht die Stadt, die uns ausmacht — wir machen die Stadt aus! Wir, die afrikanisch-asiatisch-südamerikanisch-orientalisch-europäischen Berliner. Wir sind ja so kreativ, helfen gern, nörgeln gern und machen aus nichts ein Dreigängemenü. Mein Fahrrad braucht kein Benzin, und je voller der Hörsaal, desto reichhaltiger das Liebesleben. Gerade Kunst und Geist, die gedeihen doch wo’s fehlt am besten, denkt an die goldenen Zwanziger! Erwartet ihr das Geringste vom Ku’damm oder vom Potsdamer Platz? Oh nein! In ganz Deutschland schaut man neidisch auf Berlin, auf unserer Savoir-Vivre, auf unserer versifften und spottbilligen Hinterhöfe, auf unseren Dialekt und unser Talent des Zweckoptimismus. Jetzt erst recht!

 
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