ausgaben
ausgabe 09
 
rubriken
portrait
 
   
OLD, BUT GOLD

   | Arne Kohlweyer. Wenn jemand die Welt retten kann, dann nur Maggie. Nur wo ist sie? Letztmals beim Tee mit der chilenischen Menschenrechtsikone Pinochet im Blickpunkt der Öffentlichkeit, scheint sie sich zurückgezogen zu haben, und das im zarten Politikeralter von 76.
   Doch werfen wir mal einen Blick auf die außergewöhnliche Laufbahn einer außergewöhnlichen Frau. Aus für konservative Politiker fast ärmlichen Verhältnissen stammend studierte Maggie zunächst Chemie und Jura, ehe sie 1979 als erste Frau das höchste politische Amt Großbritanniens übernahm. Gleich mit ihren ersten Amtshandlungen, wie der Abschaffung der kostenlosen Schulmilch, ließ sie keinen Zweifel daran, daß sie gewillt war, jede dieser wirtschaftsfeindlichen, überflüssigen, sozialen Bestimmungen abzuschaffen. Maggie wollte das British Empire wieder im Glanz vergangener Tage erstrahlen sehen, und das bedeutete nun mal Manchester-Kapitalismus. Natürlich waren da die „dunklen Mächte“ Gewerkschaft und Streik alles andere als förderlich und wurden entsprechend bekämpft. Doch nicht nur innenpolitisch setze Maggie ihre Duftmarke.
   Außenpolitisch tat sie’s im Falklandkrieg, dem Kampf um eine Inselgruppe ohne nennenswerte Bodenschätze, dafür mit immerhin fast 2000 Bewohnern. Großbritannien siegte und Maggie, die UN-Resolution von 1968 zugunsten Argentiniens ignorierend, schärfte weiter ihren Blick für das Wesentliche in der Welt. So wurde beispielsweise der Nord-Süd-Dialog von Maggie als „hirnverbrannt“ abgetan und von der Prioritätenliste gestrichen, es sei doch sowieso nur eine „Verzerrung und Verfälschung“ durch die Linken, daß das British Empire Bitterkeit und Armut in der Dritten Welt hinterlassen hätte. Stattdessen widmete sich Maggie zusammen mit Ihrem Spezi Ronald Reagan, dem ehemaligen Schauspieler, dessen „völlig ungekünstelte Art“ sie vor allem schätzte, der wohl wichtigsten Frage des 20. Jahrhunderts: Wie gewinnen wir den Kalten Krieg? Die einzig mögliche Antwort, „Wettrüsten“, wurde fortan zur außenpolitischen Leitlinie beider Länder.
   Doch dann kam der 19. Juli 1981 und mit ihm der Weltwirtschaftsgipfel in Ottawa. Das Protokoll wünschte, daß sich jeder Teilnehmer ungezwungen kleiden sollte, eine Herausforderung, der die „Iron-Lady“ nicht gewachsen war. Dieses Ereignis führte dann 1990, nur knappe neun Jahre später, zum Rücktritt Margaret Thatchers.
   Den Status der ersten weiblichen Premierministerin kann Ihr jedoch keiner nehmen, auch wenn nüchtern betrachtet ihre Politik nicht gerade von dem geprägt war, was dieses liebenswerte Geschlecht ausmacht.