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| ausgabe 07 |
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TAJ MAHAL
| Tino Brömme. Erschreckt nicht, wenn ihr am Potsdamer Platz, am neuen Regierungsviertel, am Bundeskanzleramt mit der S-Bahn vorbeikommt und den Reichstag nicht mehr seht. Nehmt es als Zeichen der Zeit, die wie alle Zeiten einmal vorbeigehen wird.
Irgendetwas ist hier schiefgelaufen, meint der amerikanische Architekt Daniel Liebeskind dazu, und nicht nur mit den Maßstäben. Dieses Kanzleramt ist einfach kein Ort des 21. Jahrhunderts. Es spricht nicht von Gleichheit und Intimität und stellt keine Nähe zwischen der Öffentlichkeit und einer aufgeschlossenen, fortschrittlichen Regierung her. Da hat er recht und unrecht, denn für Berlin ist das das 21. Jahrhundert: die mächtigste Regierungszentrale Europas zu sein, mächtiger als das Sonycenter, mächtiger als alle osteuropäischen Staaten zusammengenommen mächtiger als unser Parlament allemal. Das lokale, ansässige, brandenburger oder innerstädtische Berlin hat davon nichts. Nur Berlin-Mitte, Domizil der Kulturindustrie, muß als Pendant zur Politik das gigantisch-manische Bedürfnis nach Kulturkonsum in dieser Hauptstadt erzeugen und befriedigen.
A nation of waitresses and waiters wie Roger Waters sagt, der Ex-Leader von Pink Floyd, ein Kenner der Gigantomanie das ist, was unser Taj Mahal, unser neues Kanzleramt den Berlinern und der Welt verkündet: Ihr werdet diesem anonymen Götzen dienen!
Naja. Gib mirn Martini.
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