ausgaben
ausgabe 06
 
rubriken
häresie
 
 
häresie
kurt tucholsky: an das publikum
karl kraus
nicoló machiavelli
noam chomsky
georg lucács
karl marx, friedrich engels
b. traven
henry david thoreau
karl korsch
max horkheimer, theodor w. adorno
dennis diderot: grußwort
 
HÄRESIE

   | Widerspruch gegen herrschende Meinungen ist immer gut. Immer. Er ist mehr oder minder wirksam, je nachdem wie scharf er „geltende“ Normen durchschneidet und Mechanismen der Manipulation offenlegt. Die wenigsten unter den Leserinnen und Lesern werden sich „manipuliert“ vorkommen, sondern meinen, sich ihre Meinungen ganz allein zu bilden. Nichtsdestotrotz stellen die Studierenden, als diejenigen 20 Prozent der Bevölkerung, die das Privileg höherer Bildung genießen und daraus in die Berufszweige für Multiplikatoren- und Entscheidungsfunktionen übergehen, die wichtigste Zielgruppe für ideologische Manipulation dar. Der Glaube an die „Meinungsfreiheit“ wird — durch Medienfusionen, Parteikampagnen, elitäre Schulen, durch den Maulkorb für ASten, astronomische Gebote für die UMTS-Lizenzen, das Verschwinden aller DDR-Geschichte — täglich Lügen gestraft. Dieser Glaube ist so tief verwurzelt, daß es Zeit wird, seine Wurzeln auszugraben. Mit einer Auswahl unorthodoxer Texte zum Thema Meinungsfreiheit möchte LET|S|WORK allen, die sie lesen, den Spaten in die Hand geben. Die werte Gesellschaft der Studierenden und Lehrenden Berlins ist eingeladen, uns zu schreiben, was sie dagegen hat — oder selber eine Zeitung zu gründen mit dem Namen „Ketzer“.