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NOTIZEN
Tacheles erneut in Gefahr
Kultursenator Stölzl hat angekündigt, die Förderung des Tacheles, dieses Jahr 300000 Mark, ab 2001 gänzlich zu streichen. Das Tacheles könne ja, so Stölzl, die erforderlichen Finanzhilfen über den Hauptstadtkulturfond oder die DLKB beantragen. Der Kulturverein des Tacheles, der von den 7 Millionen teuren Baumaßnahmen bereits 3 Millionen in Eigenleistung erbringt, stünde damit erneut vor der Übernahme durch privatwirtschaftliche Investoren.
Braune Studenten
Nach Schätzung eines Mitarbeiters des Frankfurter Instituts für Sozialforschung tendieren rund 15 Prozent der deutschen Studierenden zu rechtsextremen Positionen, rund ein Drittel mit eindeutig deutschnationaler und rassistischer Einstellung. Unter werdenden Ingenieuren, Wirtschaftlern und Juristen sollen es sogar bis zu 25 Prozent sein.
Studiengebühren in Österreich
Die rechtskonservative Bundesregierung in Wien hat für das Wintersemester 2001 Studiengebühren in Höhe von 5000 Schilling (714 Mark). Die Opposition hat pflichtgemäß protestiert.
Schwarzer Alemanne
In Greifswald ist der Medizinstudent Christian Fahé aus Kamerun der schlagenden Studentenverbindung Alemannia beigetreten, wie mit Anerkennung die zweite Ausgabe des gratis Hochglanzheftes UniSPIEGEL berichtet. Der 21-Jährige finde die Burschen mit Mütze und Band sehr erstaunlich. Wenn er die Verbindungsfarben trage, fühle er sich sicher und er weiß: Ich bin nicht allein. Vor allem eins gefällt ihm: Ich lerne hier zu führen und geführt zu werden. Das Spiegel-Prospekt hat damit den Beweis erbracht, daß Dummheit nicht von der Hautfarbe abhängt.
High Society
Der Verein Tönissteiner Kreis, gegründet 1958, hat heute 44 Mitglieder. Alle sind Stipendiaten großer deutscher Stiftungen, man versteht sich als Netzwerk auslandsorientierter Führungskräfte, pflegt Verbindungen zu den alten Herren der Wirtschaft und Wissenschaft, man sucht den Austausch mit Gleichgesinnten und hat das Bedürfnis nach politischem Engagement und Einflußnahme. Und noch eines eint die junge europäische Elite die Krawatte. (Tagesspiegel, 24. 8.)
Hochschulen im Umbau
Wenn Hochschulen sich vermarkten, heißt das Konkurrenzkampf um Forschungsgelder, Professoren und Studenten, es heißt, Geld an Werbe- und Marketingagenturen, wie das neugegründete Zentrum Competo in Dresden, es heißt Bildungsfragen mit Begriffen wie Markt, Produkte, Kunden, Dienstleistungen anzugehen. Erst kam die stillschweigende Vereinnahmung der Unis im Forschungsbereich als billiger Lieferant der Industrie, und jetzt, scheinbar noch freiwillig, werden durch Teilprivatisierung, Sponsoring etc. die gesellschaftliche Kontrolle, die politische und akademische Freiheit zur Ware gemacht.
Gestörter Kanzler
Feiernde Burschenschaftler der Teutonia in Hannover haben die Nachtruhe des Kanzlerehepaares gestört. Was zuviel ist, ist zuviel, empörte sich Gattin Doris Schröder-Köpf. Als man um Ruhe bat, lärmten die Studenten erst recht und veranstalteten bis halb fünf ein Pfeifkonzert unter ihrem Schlafzimmerfenster. Die Polizei wollte aber erst einschreiten, wenn sich zwei Nachbarn beschwerten. Welche Nachsicht! Wahrscheinlich weil deutschnationale schlagende (und pfeifende) Verbindungen deutsche Kanzler noch nie gestört haben.
RCDS erschleicht Stimmen
Zur diesjährigen Wahl des Studentenparlaments der TU errang das Breite Linke Bündnis (12 Listen) mit zwei Drittel der Stimmen wie im Vorjahr die Mehrheit.
Jedoch auch der CDU-Studentenbund RCDS gewann bei der Wahl einen Sitz hinzu, was der Wahlvorstand auf den Titel einer der fünf RCDS-Listen zurückführt: SemTixJetzt!. Wie die Länderkoordination Semtix Berlin-Brandenburg (LKS) bereits im Vorfeld der Wahlen kritisierte, stand keiner der RCDS-Kandidaten je mit der Länderkoordination in Verbindung oder hat für das Studententicket gearbeitet. Der RCDS machte sich mit dem NamenSemTixJetzt! offensichtlich den hohen Bekanntheitsgrad der Länderkoordination zunutze, um unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Wählerstimmen auf sich zu vereinigen. Die studentische Öffentlichkeit fordert jetzt den Rücktritt der drei Kandidaten.
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