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S-BAHN SCHLÄGER

   | E. T. Daß S-Bahnfahren für Ausländer in Berlin lebensgefährlich sein kann, gehört längst zum traurigen deutschen Alltag. Daß die Bedrohung aber nicht mehr nur von ausgewiesenen Neonazis ausgeht, sondern von den Institutionen, die für angebliche Sicherheit sorgen sollen, ist eine neue Qualität des Ausländerhasses.
   Im Rahmen einer ganz normalen Fahrscheinkontrolle in der S-Bahn mußte dies Said Maddahi (Name von der Redaktion geändert), Student der Technischen Informatik an der TFH, geboren in Casablanca, ganz besonders schmerzlich am eigenen Körper erfahren. Obwohl er und sein Begleiter ein Semesterticket vorweisen konnten, sollten sie am Bahnhof Tiergarten den S-Bahnzug verlassen. Irgendwelche Leute, vielleicht Schwarzfahrer, rannten auf dem Bahnsteig an ihnen vorbei. Ein Kontrolleur packte aber Said Maddahi am Pullover und hörte gar nicht mehr auf, ihn zu beleidigen und ihn zu bedrängen. Said, ein stiller Charakter, ging, um einer weiteren Auseinandersetzung auszuweichen, zur Treppe. Dort geschah es. Der Fahrkartenkontrolleur, der dem Studenten gefolgt war, stieß ihn brutal die Treppe hinunter. Said Maddahi überschlug sich zweimal und prallte, einer heraufkommenden Frau ausweichend auf den Knien auf. Als er versuchte, aufzustehen, war der IHS-Angestellte über ihm und prügelte jetzt mit den Fäusten auf ihn ein. Ein anwesender Freund und ein Passant, die alles mit angesehen hatten und bezeugen wollten, wären von der Polizei am liebsten weggeschickt worden.
   Der 28-jährige geht jetzt — nach über vier Monaten! — noch immer an Krücken. Seinem Knie mußte operativ ein Stück Knochen aus der Hüfte eingepflanzt werden. Der Weg zur Uni ist sehr schwer für ihn, von Arbeit zu schweigen. Der Kontrolleur Anton V., die IHS oder die S-Bahn Gmbh sind sich keiner Schuld bewußt. Auf Nachfragen von LET|S|WORK zog man vor, von nichts zu wissen.