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KLASSENGEBÜHREN

   | Ernesto Castillo. Wer das Hickhack um Studiengebühren verfolgt hat, kommt rasch zum Ergebnis: Die Diskussion wird solange fortgeführt, bis die Gebühren kommen!
   Daran ändern auch 123.000 Unterschriften von Studenten, gesammelt und übergeben durch das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS), nichts. Wo sich Desinteresse und Trägheit auf seiten der schweigenden Mehrheit der Studentenschaft mit dem geballten Interesse von Industrie und Medien auf der anderen Seite so vorteilhaft die Hand geben, hat der gesunde Menschenverstand nicht reinzureden. Es paßt ins Bild, wenn z. B. der Arbeitgeberpräsident Hundt die bundesweite Einführung von Studiengebühren fordert. In die gleiche Kerbe schlägt die Umfrage des forsa Insituts im Auftrag des Centrums für Hochschulentwicklung, einem elitären Think Tank der Bertelsmannstiftung, nach der eine „deutliche Mehrheit“ (57 Prozent) der „Gesamtbevölkerung“ (1003 örtlich und einkommensmäßig nicht näher spezifizierte Befragte) für die Einführung von 1000 Mark pro Semester ein Kreuzchen gemacht hat. Ein Schelm, wer da an eine gezielte Kampagne denkt.
   Die Höhe einer Studiengebühr, die die Finanzlage der deutschen Unis wirklich stabilisieren könnte, läge im absurden Bereich, die Gretchenfrage aber, ob Gebühren die Qualität der Ausbildung verbessern, wird gar nicht erst gestellt. Daß dies Geld voll und ganz den Unis zugute kommen und nicht im Wasserkopf der Bürokratie auf Bundes- und Länderebene versickern würde, vermögen nur unbeirrbare Optimisten wie der Liberale Hochschulverband anzunehmen, der als einziger Studentenverband die Einführung von Studiengebühren befürwortet.
   Der wirkliche Sinn von Studiengebühren liegt in der Abschreckung von Studenten aus Familien mit niedrigem Einkommen. Ein Effekt, den alle bestreiten, aber dankbar in kauf nehmen. Daß diese Taktik Erfolg hat, beweist die Tatsache, daß einst mit Umstellung des BAföG von der Voll- auf Darlehensfinanzierung innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Studierenden aus Arbeiterhaushalten halbiert wurde. Denselben asozialen Zweck haben Studiengebühren.
   Auf der anderen Seite fällt die Verteidigung: Bundesbildungsministerin Bulmahn, anfangs noch für ein generelles Verbot von Studiengebühren, favorisierte zuletzt den Staatsvertrag, der Gebühren allein fürs Erststudium verboten hätte. Doch es kam nicht dazu. Zwar wurde dieser Staatsvertrag von den Bundesbildungsministern am 25. Mai beschlossen, am 15 Juni aber von den Ministerpräsidenten (Bayerns, Baden-Württembergs u. a.) schon wieder gekippt. Sie wissen warum: Bereits jetzt können die einzelnen Bundesländer bei Überschreitung der Regelstudienzeit um vier Semester oder bei Aufbaustudiengängen wie Master und Bachelor kräftig zur Kasse bitten. Und wo man sich mit der Garnierung — subventionierte Kreditvergabe, BAföG-Reform und öffentliche Meinung — solche Mühe gemacht hat, wird man beim Filetstück, den Gebühren fürs gesamte Studium, nicht locker lassen!