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ausgabe 04
 
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HEISSER HERBST

   | Es gibt keine Menschen, nur ein großes Vermissen. (Majakowski) Ein Berliner Sommer, trübe und trostlos wie wenige, ist vorbei, und ich komme zur Uni heim, zu dem Ort meiner Läuterung.
   Viele Erstsemestler, die ich sehe, sind noch voller Mut und Elan, doch fällt — im Massenandrang der Flure und auf den harten Bänken — schon der Schatten der neuen Alten (alten Neuen?) Zeit auf ihr Gemüt. Sich anpassen und runterschlucken, was kann man schön ändern? schwebt in der Luft.
   Nie war weniger Aufbruchstimmung in den Hörsälen. Laue Reförmchen umkränzen den Umbau der Akademie zur Dienstleisterklippschule: 100 Mark Eintritt, BAföG für eine Minderheit, DiMiDo-Professoren, weniger Assis, weniger Unterrichtsmittel, schäbige alte Räume, billiges Mensaessen. Nur schnell durch und die Scheine her, Referate ohne Biß, einsame Diplomanden.
   Börsen- und Multimediaeuphorie — ja! Aber wo sind Idealismus, Geschichtsbewußtsein, Gesellschaftskritik und Studentenleben? — Jedenfalls nicht an der Uni! Der AstA? Das StuPa? Semesteranfangsparties? — daß ich nicht gähne!
   Hier, wo „marktfähig“ gemacht wird, wo Uni-Präsidenten für Studiengebühren plädieren, die Informatiker (die schon drin sind) tonlos grinsend den NC gegen die Nachfolgenden zulassen, wo... Es ist zum Verzweifeln! Die Wissenschaft ist doch längst tot oder privatisiert wie Gen-Codes, hat das noch keiner gemerkt? Und ich rede noch von Universitäten und Studenten!
   Habe ich nicht Abi gemacht, mir für Prüfungen Kopf und Kreuz zermartert, nicht in Bibliotheken meine Sohlen abgewetzt und gejobbt wie blöde — und trotzdem sitze vor einer Hausarbeit und frage mich, was habe ich eigentlich gelernt? Und mein Abschluß läuft mir wie die Mohrrübe an Stock und Schnur davon!
   Entschuldigt, liebe Studienanfänger, den Pessismus zur Begrüßung. Es ist nur, man hilft einem Bettler nicht dadurch, daß man ihm eine Mark hinwirft und ihn dann vergißt, sondern indem man selber aufhört, wie ein Bettler Almosen zu nehmen. Und die Uni und wir an der Uni, wir müssen uns fühlen wie Bittsteller, es sei denn, wir stimmen ein in den Chor der „Erfolgreichen“.
   Ist denn diese Uni jetzt unsere Uni? Nicht?
   Warum nehmen wir sie uns nicht einfach? — Achso: zu heiß.