| |
|
|
GANZ BERLIN WARTET AUF DIE SONNE
| Schluß mit grimmig kalten leeren Straßen und Gesichtern! Das Sommerkleid braucht wieder Luft, wie auch die Fahrradreifen und wie ich. Die Schönheit des Frühlings ein Seufzer hat nicht ihresgleichen, es grünt, Wäsche, Wiesen, Wangen und besonnte Höfe kriegen Farbe. Die Kelche der Blumen öffnen und die leuchtenden Augen suchen und begegnen sich. Der Mai ist da. Der Vogel Pirol pfeift. Es geht was um. Und wer sich dies und wer sich das verkneift, der ist schön dumm. (Tucholsky) Oh Beatrice!
Auch sind die miesepetrigen Fernsehfressen wieder frisch, enthusiastische Meldungen vom Arbeitsmarkt häufen sich, die Call-Center brummen, die Baubranche leckt ihre Wunden, das Lohnniveau... lassen wir mal außen vor. Für mich gehts jetzt wieder zur Uni, neue Seminare, neue Gesichter, neuer Stoff. Der Sonne zuliebe sag ichs meinem Professor schonend, wenn er zu langweilig ist oder bei Referaten den Quatschköpfen nicht mal ein bißchen Richtung gibt. Die Sonne ist in jedem von uns drin, auch in ihm, auch in dir.
Ach ja, erster Mai. Da können die Radaubrüder sich mal wieder so richtig austoben. Frühlingsfreundlich, wie ich bin, werde ich das nicht ignorieren oder einfach nur ablehnen. Wie war das eigentlich früher, vor hundert Jahren, wo liegen die Wurzeln der Arbeiterproteste? Ich glaube, da gabs ... Noch mehr! Die Arbeiter diskutierten auf den Kongressen der Internationale nicht mehr den Unsinn, mit denen die Nationen von ihren Regierenden in parlamentarischen Institutionen unterhalten werden. Sie diskutierten die fundamentale Frage des revolutionären Wiederaufbaus der Gesellschaft und setzten jene Idee in Bewegung, die seitdem sich als so fruchtbar erwiesen hat: die Idee des Generalstreiks. Was?
Direkte Aktion und sorgfältige Ausarbeitung neuer Formen des Gesellschaftslebens darum ging es denen also damals! Danke für die Auskunft, Peter Kropotkin!
Mit Düsternis und Trübsal ist jetzt jedenfalls Schluß! Und wenn ich persönlich dafür sorgen müßte.
|
|