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STUDIEREN IST ARBEIT
| Das Geld ist knapp. Die Rechnungen und Mahnungen des Januar häufen sich schon zu einem kleinen
Berg: Miete, BVG-Karte, Telefon, Krankenversicherung, eine Reparatur... man möchte
die Umschläge schon gar nicht mehr aufmachen! Und jetzt auch noch die Rückmeldung
fürs Sommersemester!
Ich muß mich aufs Studium konzentrieren, Hausarbeiten schreiben und mich auf Prüfungen vorbereiten. Zusätzlich habe ich ein Praktikum zu absolvieren, das unbezahlt ist. Also heißt es, arbeiten zu gehen. Das heißt, die Seminare so zu legen, daß freie Tage für die Arbeit da sind, nachmittags zu jobben oder abends und am Wochenende. Das heißt, morgens müde in die Vorlesungen zu kommen, manchmal hungrig zu sein, bis die Mensa aufmacht. Es heißt auch, sparsam sein zu müssen, etwas, was nicht jedem in die Wiege gelegt ist. Und wo soll ich sparen im Kühlschrank?
Egal, ob ich Elektrotechnik, Maschinenbau, Literaturwissenschaft, Sprachen, Informatik oder Medizin studiere das ist meine Arbeit. Es ist meine Arbeit, zu lernen, Bücher zu lesen, Fakten zu recherchieren, in die Bibliotheken zu gehen, Formeln durchzurechnen, Referate und Thesenpapiere vorzubereiten, Protokolle, Texte oder Programme zu schreiben, Theorien und Konzepte zu entwickeln, Probleme zu diskutieren, die Hochschule selbst zu verbessern. Doch begreift das jemand?
Im Fernsehen und in den Zeitungen ist davon keine Rede. Und für Politiker und Beamte heißt das nur Hochschulfinanzen. Wer erkennt an, welche wichtige gesellschaftliche Aufgabe ich erfülle: nicht nur, mich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren bin ich es nicht, durch den das gesamte kulturelle Wissen umgewälzt und erneuert wird? Bin ich nicht die neue Generation, die Schnittstelle in der Geschichte, auf der Schwelle, Verantwortung zu übernehmen?
Wie selten ist, was mir vor kurzem an einer Bushaltestelle im Gespräch mit einer älteren Hausfrau passierte: Sie sind Student? fragte sie, Ja, ihr Studenten habt es auch wirklich schwer. Bei diesen Worten, so unerwartet und von Herzen sie kamen, begriff ich, wo wir stehen.
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